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Stadt TIR/MuseumsQuartier – James Rizzi
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Wieder geöffnetes Giebelfenster: Ein Hauch Kölner Dom weht durch die Glashütte Lamberts

Waldsassen. Es ist ein weiterer und ganz besonderer Meilenstein der Erneuerung der Glashütte Lamberts: Am Freitag wurde das lange verschlossene und jetzt nach einem prominenten Vorbild gestaltete Giebelfenster feierlich wieder geöffnet. Damit weht ein Hauch Kölner Dom durch die Klosterstadt.

Wieder geöffnetes Giebelfenster: Ein Hauch Kölner Dom weht durch die Glashütte Lamberts

„Sesam, öffne dich.“ Geschäftsführer und Eigentümer Rainer Schmitt gab auf der „Kanzel“ das Kommando zur Öffnung des Giebelfensters. Foto: Udo Fürst
Noch verhüllt… Foto: Udo Fürst
Nur noch wenige dunkle Flecken, dann ist es vollbracht. Foto: Udo Fürst
Glaskunst per excellence. Foto: Udo Fürst
Gespannte Blicke der Ehrengäste nach oben. Foto: Udo Fürst
Blumen für die Frauen der Glashütten-Chefs (von links): Gesellschafter-Geschäftsführer und Eigentümer Rainer Schmitt, Barbara Baierl, Cornelia Maurer und Geschäftsführer Christian Baierl. Foto: Udo Fürst
Das neue Giebelfenster ist der Auftakt zur schrittweisen Erneuerung der Lamberts-Ofenhalle. Foto: Udo Fürst

Ehe die illustre Gästeschar das neue Giebelfenster zu Gesicht bekam, musste sie sich etwas gedulden. Zunächst war eine Führung durch die Glasproduktion angesagt. Und die beeindruckte die Besucherinnen und Besucher mindestens genauso wie die Enthüllung des neuen Kunstwerks in der Ofenhalle.

Jeder Handgriff muss sitzen

Glasbläser sind Schwerarbeiter. Bei großer Hitze – die Schmelzöfen weisen Temperaturen von weit über 1000 Grad auf – arbeiten sie an der Grenze zwischen größter Präzision und erstaunlicher Intuition. In den Öfen wird das Glas zähflüssig wie Honig. Mit einer langen Blasrohrstange entnehmen die Bläser einen glühenden, orange leuchtenden Tropfen, der sich ständig verändert. Jede Bewegung zählt: Ein kurzer Dreh verhindert, dass das weiche Glas absackt, ein gezielter Atemstoß lässt im Inneren eine Blase entstehen.

Doch das Blasen allein formt noch kein fertiges Werkstück. Mit Holzformen und Metallwerkzeugen modellieren Glasbläser das Material, solange es noch formbar ist. Immer wieder kehrt das Werkstück in den Ofen zurück, damit es nicht zu schnell abkühlt und reißt. Das verlangt Erfahrung, ein gutes Auge und ein feines Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Jeder Handgriff muss sitzen. Ein kleiner Fehler genügt, damit Minuten oder sogar Stunden sorgfältiger Arbeit verloren gehen. Gleichzeitig macht genau diese Herausforderung den Beruf besonders: Aus einer glühenden, formbaren Masse entsteht Schritt für Schritt ein einzigartiges Glasobjekt – sei es ein Trinkglas, eine kunstvolle Vase, eine filigrane Skulptur – oder eben kleine Fensterquadrate.

Künstler und Schwerarbeiter in einem: die Glasbläser von Lamberts schaffen beeindruckende Kunstwerke. Foto: Udo Fürst
Die Ofenhalle der Glashütte Lamberts. Foto: Udo Fürst
Foto: Udo Fürst
Foto: Udo Fürst
Foto: Udo Fürst
Foto: Udo Fürst
Foto: Udo Fürst
Foto: Udo Fürst
Foto: Udo Fürst
Bei der Führung brachten Lamberts-Mitarbeiter den Gästen das Handwerk des Glasblasens näher. Foto: Udo Fürst
Foto: Udo Fürst

70 Farben, hunderte Glasquadrate

Genauso entstanden die hunderte, kleinen Quadrate in 70 Farben in dem der Schützenstraße zugewandten Giebelfenster der Ofenhalle. Die Lamberts-Glasbläser setzten dort einen Entwurf von Gerhard Richter um, einem der weltweit bedeutendsten zeitgenössischen Künstler. „Das Licht kehrt heim“, freute sich der Gesellschafter-Geschäftsführer von Lamberts, Rainer Schmitt, als sich das zuvor geheimnisvoll verdunkelte Fenster Quadrat um Quadrat öffnete und ein prächtiges Farbenspiel offenbarte. „Dieses Licht, hervorgerufen durch unsere mundgeblasenen Farbgläser, wird die Glashütte mit neuer Energie fluten.“

Die Enthüllung des Giebelfensters ist der Beginn eines visionären Projekts, das circa 6,7 Millionen Euro kosten wird: die Generalsanierung der denkmalgeschützten Ofenhalle der Glashütte Lamberts. Diverse namhafte Künstler werden dort in den kommenden Jahren ihre eindrucksvollen Spuren hinterlassen. Beim Festakt wehte auch wegen des Besuchs von Dr. Kathrin Wittstadt von der Dombauhütte Köln ein Hauch Dom durch die Waldsassener Ofenhalle. „Gerhard Richter war begeistert, als er dieses Glas gesehen hat“, betonte die Restauratorin und erinnerte an die Gestaltung des Südhausquerfensters im Dom durch Richter mit kleinen, geklebten Quadraten aus farbigem Glas. Richter sei von der Vielfalt der Farben fasziniert gewesen, habe sich dann aber auf „nur“ 72 beschränkt.

Mehr als 5000 Farben und Strukturen

Die Glashütte Lamberts ist ein mittelständischer Familienbetrieb mit 70 Mitarbeitern. In unserer Glasmanufaktur in Waldsassen werden mundgeblasene und handgefertigte Gläser in mehr als 5000 verschiedenen Farben und Strukturen produziert. Original-Lamberts-Gläser sind bei Fachleuten auf der ganzen Welt ein hochgeschätzter Werkstoff. Ihre Vielfalt, Qualität, Brillanz und Körperhaftigkeit sind vorbildhaft. Lamberts hat ein umfangreiches Lager mit mehr als 50.000 Glastafeln, aus denen der Kunde auswählen kann.

Der Start ist gemacht. Jetzt werden wir richtig Gas geben.

Rainer Schmitt, Gesellschafter-Geschäftsführer von Lamberts

Weitere Kunstwerke in Planung

„Der Start ist gemacht. Wir werden jetzt richtig Gas geben“, betonte Schmitt und versprach die zügige Fortsetzung des Projekts. Zehn weitere Fenster seien schon in Waldsassen eingelagert. Der Geschäftsführer erklärte, dass weitere namhafte Künstler mit ihren Arbeiten den Fortbestand des Traditionsbetriebs sichern helfen würden. Schmidt: „Die Glashütte lebt.“ Lamberts-Geschäftsführer Christian Baierl lobte seine Kollegen für ihre Arbeit: „Ihr seid die Basis und der Kern unseres Unternehmens.“

Pflege Oberpfalz
Pflege Oberpfalz

Viele Gäste aus Politik und Wirtschaft

Zur Eröffnung des Giebelfensters gaben sich zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kirchen, Behörden und betei­ligten Bau­firmen ein Stelldichein. Unter anderem waren gekommen: Landtags-Vizepräsident Tobias Reiß, Landrat Hubert Schicker, stellvertretender Landrat Matthias Grundler, Landrat a.D. Roland Grillmeier, Bürgermeister Bernd Sommer, Architekt Peter Brückner, sowie die Pfarrer Dr. Thomas Vogl und Andreas Kraft, die den kirchlichen Segen spendeten.