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Windkraft in Weiden: Keine neuen Flächen – Rothenstadt fällt raus

Weiden. Die Stadt Weiden benennt keine weiteren Vorrangflächen für Windenergie, so wie es der Freistaat Bayern fordert. Der Weidener Stadtrat schloss sich damit mit 26:11 Stimmen einem Beschlussvorschlag des Oberbürgermeisters Benjamin Zeitler (CSU) an.

Weiden. Die Stadt Weiden benennt keine weiteren Vorrangflächen für Windenergie, so wie es der Freistaat Bayern fordert. Der Weidener Stadtrat schloss sich damit mit 26:11 Stimmen einem Beschlussvorschlag des Oberbürgermeisters Benjamin Zeitler (CSU) an.
Abstimmung im Stadtrat Weiden am Montag: CSU, AfD und Bürgerliste votieren gegen die weitere Nennung von Windkraft-Vorrangflächen. Foto: Christine Ascherl

Windkraft in Weiden: Keine neuen Flächen – Rothenstadt fällt raus

Hintergrund der Diskussion sind die Flächenziele des Freistaats Bayern: Nach einem neuen Gesetzentwurf soll die Quote für Nordbayern auf 2,1 Prozent erhöht werden – weil Südbayern angeblich seine Flächenziele nicht erreichen kann. „Es gibt Gebiete – das Allgäu, Oberbayern mit den Alpenzügen –, die nicht genug Fläche liefern können“, erläuterte Zeitler. Dort bleibt es bei 1,3 bis 1,8 Prozent bis 2032.

Nordbayern-Quote kommt nicht gut an

Der Regionale Planungsverband Oberpfalz-Nord will sich gegen die höhere Nord-Quote wehren. „Der Planungsverband hat das schon auf unterschiedlichsten Ebenen kommuniziert und Widerspruch eingelegt“, wusste OB Zeitler. In einer Sitzung vor einer Woche hatte Vorsitzender Landrat Andreas Meier die Kommunen informiert und zugleich vor schwindender Akzeptanz in der Bevölkerung gewarnt. In der Juli-Sitzung hatte der Landrat noch dafür geworben, freiwillig Flächen zu benennen. Nur so könne verhindert werden, dass der Vorrang für Windkraft auf allen Flächen gilt.

Auch Weiden hatte daraufhin seinen Beitrag geleistet: Derzeit sind 1,3 Prozent des Stadtgebiets als Vorrangflächen für Windenergie ausgewiesen. Dabei soll es vorerst bleiben. Einer freiwilligen Ausweitung erteilte Zeitler eine Absage. Weiden sei als dicht besiedelte kreisfreie Stadt nicht mit einem Flächenlandkreis vergleichbar.

Ohnehin habe die gesamte nördliche Oberpfalz Schwierigkeiten, zusätzliche Flächen bereitzustellen. Auf dem Grenzkamm wären Windkraftanlagen zwar wirtschaftlich interessant, aber von den tschechischen Nachbarn unerwünscht. Im westlichen Landkreis Neustadt/WN schränkt der Truppenübungsplatz Grafenwöhr die Möglichkeiten erheblich ein.

Irritation um verschiedene Beschlussvorlagen

Für Irritation sorgte am Montag, dass es vor der Sitzung eine ganz andere Beschlussvorlage gab: Die Stadtverwaltung hatte ursprünglich eine weitere Nennung von Windvorrangflächen empfohlen. Konkret schlug das Stadtplanungsamt vor, die Vorranggebiete zu erweitern: WEN 10 (an der B22 südlich von Tröglersricht/„Heilige Staude“) und WEN 11 (östlich von Mitterhöll in Richtung Matzlesrieth) sollten um 34 Hektar vergrößert werden, indem man 900 statt 1000 Meter an die Wohnbebauung heranrückt.

Zeitler scheint diese Vorlage gekippt zu haben. In der Sitzung erklärte er: „Am Ende mache ich als gewählter Oberbürgermeister einen Vorschlag, hinter dem ich auch stehe.“ Er sei der festen Überzeugung, dass es „im Moment keine Not hat, mit dem Bürger in Konflikt zu gehen und über potenzielle Flächen zu reden, die man vielleicht weder braucht, noch die wirtschaftlich sind“.

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Am Montag war der Verwaltungsvorschlag aus dem Ratsinformationssystem verschwunden – und durch den komplett gegenteiligen OB‑Vorschlag ersetzt. „Was ist zwischen Freitag und heute passiert?“, fragte sich Grünen-Fraktionsvorsitzende Laura Weber. Sie kritisierte, dass durch die 1000-Meter-Grenze gerade das wirtschaftlich vielversprechendste Gebiet ausscheide: bei Matzlesrieth. Die etwa ein Dutzend Bewohner im Sitzungssaal bezeichnete sie als „Fangemeinde“ von CSU-Stadtrat Wolfgang Pausch, der sich gegen eine Erweiterung aussprach.

SPD warnt vor Wildwuchs: „Man muss es steuern“

Kritik kam auch von der SPD. Roland Richter warf dem Oberbürgermeister St.-Florian-Politik vor, wie es ähnlich wohl im Kreistag war: „Die Gemeinden hoffen, dass irgendwer anders die Ziele erfüllt.“ Er müsse beinahe die bayerische Staatsregierung loben, weil sie auf ihren Flächenvorgaben besteht.

Richter warnte davor, Chancen zu übersehen. „Die Zukunft gehört den Erneuerbaren. Das stellt weltweit niemand mehr infrage.“ Durch Zögern werde der Wettbewerbsvorteil verspielt, ähnlich wie in der Automobilindustrie. „Man muss zugreifen, man muss anpacken – und man muss es steuern. Dann ist es im Einklang mit Mensch und Natur.“ Ohne Privilegierung drohe Wildwuchs. „Dann ist es reines Glücksspiel.“

Manfred Schiller (AfD) äußerte sich hocherfreut, dass die Stadt „von dieser Ideologie ein wenig abrückt“. Er zweifelte den Sinn des Ausbaus von Windenergie generell an.

Weidener Weg: Wie geht es mit den drei Windkraftgebieten weiter?

Der Stadtrat entschied auch über die Fortführung des „Weidener Wegs“, mit dem die Stadt mögliche Windkraftprojekte selbst steuern und entwickeln will. Dabei zeichnen sich für die drei bestehenden Vorranggebiete sehr unterschiedliche Perspektiven ab.

Die Karte zeigt die drei Windvorranggebiete WEN 05, WEN 10 und WEN 11 im Stadtgebiet Weiden. Sie sind Teil der regionalen Windenergieplanung. Quelle: Regionalplanung, Regierung der Oberpfalz

Rothenstadt (WEN 05) ist praktisch aus dem Rennen. „In diesem Gebiet konnten so gut wie keine Grundstücksflächen gesichert werden“, informierte OB Zeitler. Die Stadtwerke haben dort keinerlei Zugriff auf Grundstücke. Der Beschluss: Die Stadt beendet ihre eigenen Planungen für diesen Standort.

Matzlesrieth/Weiden-Ost (WEN 11) bleibt als mögliche Entwicklungsfläche im Rennen, rückt aber zunächst in die zweite Reihe. Zwar gab es laut Zeitler „viele positive Rückmeldungen von Grundstückseigentümern“. Allerdings konnte keine zusammenhängende Fläche gesichert werden. An mehreren Stellen gibt es Sperrgrundstücke. Die Stadt soll die Flächensicherung dennoch fortführen. Eine vertiefte Markterkundung wird vorerst zurückgestellt. Ein Antrag der Grünen, WEN 11 parallel zu WEN 10 auf dem Markt zu sondieren, scheiterte mit 14:24 Stimmen.

Damit rückt WEN 10 an der B 22 bei der „Heiligen Staude“ in den Mittelpunkt. Ein erheblicher Teil der Grundstücke gehört über die Simultane Hospitalstiftung der Stadt, weitere Grundstückseigentümer zeigen Gesprächsbereitschaft. Gestattungsverträge gibt es allerdings noch nicht. Der Stadtrat beschloss, für dieses Gebiet eine vertiefte Markterkundung einzuleiten und mögliche Projektpartner zu suchen. Die Stadtwerke sollen ein solches Vorhaben nicht allein finanzieren.

Ohnehin warnte OB Zeitler zur „Vorsicht“, was die Wirtschaftlichkeit aller Weidener Standorte betrifft: „Die Zahlen, die uns vorliegen: Da sieht es eher düster aus.“ In Rothenstadt ergebe sich in sämtlichen Berechnungsszenarien ein negatives Ergebnis. In Weiden-Ost nur bei positiven Annahmen ein geringer wirtschaftlicher Überschuss.

Und Matzlesrieth? „Dieses Gebiet schneidet wirtschaftlich am besten ab. Allerdings ergibt sich auch hier im Worst-Case-Szenario ein negatives Ergebnis.“