OTH Amberg-Weiden
OTH Amberg-Weiden

Tradition trifft Technik: Schwurgerichtssaal in Weiden wird zum Hightech-Gericht

Weiden. Was hat der Schwurgerichtssaal nicht schon alles gesehen. Seit 1966 werden hier Mord und Totschlag verhandelt. Jetzt wurde der zentrale Raum des Justizgebäudes in der Ledererstraße umfassend modernisiert.

Weiden. Was hat der Schwurgerichtssaal nicht schon alles gesehen. Seit 1966 werden hier Mord und Totschlag verhandelt. Jetzt wurde der zentrale Raum des Justizgebäudes in der Ledererstraße umfassend modernisiert.
Die Videokonferenz-Anlage ist eine zentrale Neuerung im Schwurgerichtssaal. Künftig ist es noch leichter, Auslandszeugen zu vernehmen. Am Richtertisch Richter Florian Bauer (links) und Landgerichtspräsident Josef Weidensteiner. Foto: Christine Ascherl

Tradition trifft Technik: Schwurgerichtssaal in Weiden wird zum Hightech-Gericht

Am 4. November 1966 saß hier der erste Angeklagte: Heinz-Georg G. (32), ein Bauhelfer aus dem Landkreis Tirschenreuth wegen versuchten Totschlags. Er hatte seine Frau mit einem Beil angegriffen. Aus Eifersucht und im Suff. Computer, WLAN – das hätte man sich damals nicht einmal theoretisch vorstellen können.

2026 ist ein hybrider Gerichtssaal entstanden. Im April könnte hier der Champagner-Prozess zu Ende gehen. Die neue Technik kommt genau richtig: Die Zeugen sitzen in den Niederlanden und in Polen. Sie werden per Videokonferenz in ihren europäischen Heimatorten vernommen. Bei den Richtern, Staatsanwälten und Verteidigern liegen auch längst keine Leitz-Ordner mehr auf dem Tisch. Die E-Akte hat im Strafprozess Einzug gehalten.

Manches sieht bis heute so aus: Die Akustik-Decke beispielsweise, aber auch das Kreuz hinter dem Richtertisch ist das gleiche geblieben. Foto: Stadtarchiv Weiden, Sammlung Bonkoß
Der erste Prozess im Schwurgerichtssaal des neuen Justizgebäudes 1966. Vor Gericht stand ein Bauhelfer aus dem Landkreis Tirschenreuth. Quelle: Stadtarchiv Weiden

Kosten: rund 365.000 Euro

Die Sanierung war an der Zeit. Von Boden bis Beleuchtung – alles war durch. Das ist die Botschaft eines Ortstermins am Donnerstag mit den Verantwortlichen der Justiz und des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach. Landgerichtspräsident Josef Weidensteiner, Bauamtsleiter Tobias Bäumler und Baudirektorin Elisabeth Bücherl-Beer erklären die Neuerungen.

Wolfgang Lurz erläutert für das IT-Zentrum der Justiz die Technik. Seine Abteilung hat in Bayern 740 Sitzungssäle eingerichtet. Im Schwurgerichtssaal in Weiden wurden 3 Kilometer Datenleitung verlegt, 130 Datenanschlüsse, 800 Meter Stromleitungen. Alles völlig unauffällig in einem Unterflursystem, für das der Estrich geöffnet wurde.

Die Erneuerung des Schwurgerichtssaal kostete rund 365.000 Euro. Allein die Hälfte entfällt auf die Technik. In diesem Betrag enthalten ist auch das „elektronische Gerichtssaal-Management“ für neun weitere Säle. Diese wurden schon 2021 und 2023 modernisiert.

Der Schwurgerichtssaal. Elf Meter hoch. Ein erhöhter Richtertisch. Etwa 70 Zuhörerplätze. Jetzt wurde der zentrale Raum der Justiz umfassend renoviert. Foto: Christine Ascherl
Der modernisierte Schwurgerichtssaal. Foto: Christine Ascherl
Pressekonferenz zur Eröffnung des neuen Schwurgerichtssaals: (von links) Wolfgang Lurz (IT), Landgerichtssprecher Florian Bauer, Landgerichtspräsident Josef Weidensteiner, Baudirektorin Elisabeth Bücherl-Beer, Abteilungsleiterin Hochbau Josefine Köppen, Sachgebietsleiter Elektrotechnik Ulrich Knorr und Tobias Bäumler, Leiter des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach. Foto: Christine Ascherl
Der Blick des Vorsitzenden Richter in den „neuen“ Schwurgerichtssaal. Die Bänke für Angeklagte und Verteidiger sind jetzt weiß. Der Zuhörerbereich ist neu bestuhlt. Neu sind auch die Lichtbänder auf halber Höhe des Raums. Foto: Christine Ascherl
Ortstermin zur Eröffnung des modernisierten Schwurgerichtssaals. Foto: Christine Ascherl
Landgerichtspräsident Josef Weidensteiner am Richtertisch. Foto: Christine Ascherl
Ortstermin zur Eröffnung des modernisierten Schwurgerichtssaals. Foto: Christine Ascherl
Das Bauamt am Platz der Staatsanwaltschaft: (von links) Elisabeth Bücherl-Beer, Ulrich Knorr, Josefine Köppen und Amtsleiter Tobias Bäumler. Foto: Christine Ascherl
Die Videokonferenz-Anlage ist eine zentrale Neuerung im Schwurgerichtssaal. Künftig ist es noch leichter, Auslandszeugen zu vernehmen. Am Richtertisch Richter Florian Bauer (links) und Landgerichtspräsident Josef Weidensteiner. Foto: Christine Ascherl
Die Videokonferenz-Anlage ist eine zentrale Neuerung im Schwurgerichtssaal. Künftig ist es noch leichter, Auslandszeugen zu vernehmen. Foto: Christine Ascherl
Ortstermin zur Eröffnung des modernisierten Schwurgerichtssaals am Landgericht Weiden. Der Videoscreen zeigt ein Baustellen-Bild. Foto: Christine Ascherl
Aus- und aufgeräumt. In diesem Besprechungszimmer hinter dem Schwurgerichtssaal bespricht sich die Strafkammer in Verhandlungspausen oder bei Verständigungsgesprächen mit Staatsanwalt und Verteidigern. Foto: Christine Ascherl

Richtertisch mit Negresco Quarzit verkleidet

Am Ende folgte „die Krönung“: Für Baudirektorin Elisabeth Bücherl-Beer ist der Schwurgerichtssal der architektonische Höhepunkt des Justizgebäudes. „Die Optik dieses Raums ist eine besondere.“ Der Saal steht nicht unter Denkmalschutz. Ziel sei dennoch gewesen, ihn im Sinn seiner kreativen Planer aus den 1960er Jahren zu sanieren.

Sport Signage – Stellenanzeigen
Sport Signage – Stellenanzeigen

Imposant ist seit jeher der Richtertisch, bisher mit Eschefurnier bedeckt. Jetzt ist er mit schwarzen Steinplatten (Negresco Quarzit) verkleidet, ebenso die Kanzel für den Staatsanwalt.

Akustik und Licht verbessert

Die Raumhöhe ist mit elf Metern spektakulär. Das macht den Saal auch spektakulär schwierig, was Schall und Licht anbelangt. Wie Hochbau-Abteilungsleiterin Josefine Köppen vom Staatlichen Bauamt erklärt, trage der neue Vinyl-Boden erheblich zu einer Verbesserung der Akustik bei.

Für das Licht hat sich das Bauamt drei neue dimmbare LED-Lichtbänder einfallen lassen (Gesamtlänge 120 Meter). Sie „schweben“ höhenversetzt – befestigt an der Akustikdecke – im Raum. Die 100 Leuchtstoffröhren wurden rückgebaut. Die neuen Lichtbänder ermöglichen eine gleichmäßige, direkte Beleuchtung, so Elektro-Sachgebietsleiter Ulrich Knorr.