Tradition trifft Technik: Schwurgerichtssaal in Weiden wird zum Hightech-Gericht

Tradition trifft Technik: Schwurgerichtssaal in Weiden wird zum Hightech-Gericht
Am 4. November 1966 saß hier der erste Angeklagte: Heinz-Georg G. (32), ein Bauhelfer aus dem Landkreis Tirschenreuth wegen versuchten Totschlags. Er hatte seine Frau mit einem Beil angegriffen. Aus Eifersucht und im Suff. Computer, WLAN – das hätte man sich damals nicht einmal theoretisch vorstellen können.
2026 ist ein hybrider Gerichtssaal entstanden. Im April könnte hier der Champagner-Prozess zu Ende gehen. Die neue Technik kommt genau richtig: Die Zeugen sitzen in den Niederlanden und in Polen. Sie werden per Videokonferenz in ihren europäischen Heimatorten vernommen. Bei den Richtern, Staatsanwälten und Verteidigern liegen auch längst keine Leitz-Ordner mehr auf dem Tisch. Die E-Akte hat im Strafprozess Einzug gehalten.
Kosten: rund 365.000 Euro
Die Sanierung war an der Zeit. Von Boden bis Beleuchtung – alles war durch. Das ist die Botschaft eines Ortstermins am Donnerstag mit den Verantwortlichen der Justiz und des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach. Landgerichtspräsident Josef Weidensteiner, Bauamtsleiter Tobias Bäumler und Baudirektorin Elisabeth Bücherl-Beer erklären die Neuerungen.
Wolfgang Lurz erläutert für das IT-Zentrum der Justiz die Technik. Seine Abteilung hat in Bayern 740 Sitzungssäle eingerichtet. Im Schwurgerichtssaal in Weiden wurden 3 Kilometer Datenleitung verlegt, 130 Datenanschlüsse, 800 Meter Stromleitungen. Alles völlig unauffällig in einem Unterflursystem, für das der Estrich geöffnet wurde.
Die Erneuerung des Schwurgerichtssaal kostete rund 365.000 Euro. Allein die Hälfte entfällt auf die Technik. In diesem Betrag enthalten ist auch das „elektronische Gerichtssaal-Management“ für neun weitere Säle. Diese wurden schon 2021 und 2023 modernisiert.
Richtertisch mit Negresco Quarzit verkleidet
Am Ende folgte „die Krönung“: Für Baudirektorin Elisabeth Bücherl-Beer ist der Schwurgerichtssal der architektonische Höhepunkt des Justizgebäudes. „Die Optik dieses Raums ist eine besondere.“ Der Saal steht nicht unter Denkmalschutz. Ziel sei dennoch gewesen, ihn im Sinn seiner kreativen Planer aus den 1960er Jahren zu sanieren.
Imposant ist seit jeher der Richtertisch, bisher mit Eschefurnier bedeckt. Jetzt ist er mit schwarzen Steinplatten (Negresco Quarzit) verkleidet, ebenso die Kanzel für den Staatsanwalt.
Akustik und Licht verbessert
Die Raumhöhe ist mit elf Metern spektakulär. Das macht den Saal auch spektakulär schwierig, was Schall und Licht anbelangt. Wie Hochbau-Abteilungsleiterin Josefine Köppen vom Staatlichen Bauamt erklärt, trage der neue Vinyl-Boden erheblich zu einer Verbesserung der Akustik bei.
Für das Licht hat sich das Bauamt drei neue dimmbare LED-Lichtbänder einfallen lassen (Gesamtlänge 120 Meter). Sie „schweben“ höhenversetzt – befestigt an der Akustikdecke – im Raum. Die 100 Leuchtstoffröhren wurden rückgebaut. Die neuen Lichtbänder ermöglichen eine gleichmäßige, direkte Beleuchtung, so Elektro-Sachgebietsleiter Ulrich Knorr.


















