Prozess wegen versuchten Mordes: Wie ein Kolping-Wochenende in Pressath eskalierte

Prozess wegen versuchten Mordes: Wie ein Kolping-Wochenende in Pressath eskalierte
Er soll einem Freund vor dem Jugendhaus ein Messer mit einer Klingenlänge von 8,5 Zentimetern in die Brust gerammt haben. Dann soll der Angeklagte seine Freundin mit dem Messer verletzt haben, als diese versuchte, zwischen Autos davonzulaufen. Der Prozess beginnt am Donnerstag, 23. April. Den Vorsitz der Strafkammer übernimmt Richter Markus Fillinger. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Peter Frischholz. Verteidigt wird der Kfz-Mechatroniker von Rechtsanwalt Rouven Colbatz. Der angeklagte Niederbayer befindet sich seit Juni 2025 in Untersuchungshaft.
19 Männer, eine Frau
Es sollte eine vergnügliche Jugendfreizeit werden. Im Juni 2025 hatte sich eine Kolpingjugend aus Niederbayern für ein verlängertes Wochenende in der Jugendherberge in Altendorf bei Pressath eingemietet. Organisiert hatte den Aufenthalt der 21-jährige Angeklagte. Seine Freundin (22) war die einzige Frau unter 19 Teilnehmern.
Schon in der zweiten Nacht soll ein Streit des Paares entbrannt sein. Als sich die junge Frau ein anderes Zimmer zum Übernachten suchte, soll es zu Beleidigungen und Drohungen gekommen sein, in die auch andere Teilnehmer verwickelt wurden.
Geschädigter musste reanimiert werden – Notoperation am Herzen
Am nächsten Abend folgte die komplette Eskalation. Schon beim Abendessen soll der 21-Jährige ein Einhandmesser gezückt und gegen die Freundin gerichtet haben. Er hatte erheblich getrunken (man geht von über zwei Promille aus), wollte aber schließlich nach Hause fahren. Seine Freunde parkten daraufhin sein Auto ein, woraufhin er mehrmals gegen das Fahrzeug eines Freundes fuhr.
Als ihn am späten Abend ein Kumpel vor dem Haus wegen des Messers zur Rede stellte, soll es zu dem folgenschweren Stich gekommen sein. Die Klinge von 8,5 Zentimetern drang komplett in die linke Brustseite des 17-jährigen Opfers ein. Die Staatsanwaltschaft Weiden geht von Tötungsabsicht aus. Mordmerkmal: niedere Beweggründe. Der Geschädigte musste rund 15 Minuten vom Notarzt reanimiert werden und mit dem Hubschrauber ins Uniklinikum Regensburg geflogen werden, wo er am Herzen notoperiert wurde.
Nachdem der Freund zu Boden gegangen war, stand die Freundin im Visier des Angeklagten. Bei ihrem Fluchtversuch zwischen den Autos hindurch soll er sie zunächst an der Jacke erwischt haben, aus der sie sich herauswand. Letztlich erlitt sie einen Messerstich am Arm. Ein weiterer Teilnehmer erlitt eine Stichwunde, als er den Angreifer gemeinsam mit anderen überwältigte.




