OTH Amberg-Weiden
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Fasching ausgegraben mit Pauken und Trompeten in Eslarn

Eslarn. Am unsinnigen Donnerstag wird hier die Fosnd ausgegraben – mit bunten Kostümen, starker Blasmusik und viel Witz. Vom Frauenbund-Frühstück bis zum Zug der Kapellen wird der Markt zur großen närrischen Bühne.

Fasching ausgegraben mit Pauken und Trompeten in Eslarn

Bereits in den Vormittagsstunden, u.a. beim Frauenbund-Frühstück, waren diee „Zweigerler“ samt ihrem legendären Begleiter „Da Dotsch’n“ vom Tannenhof. Foto: Karl Ziegler
Aus sicherer Entfernung beobachtete eine kleine hübsche „Maus“ im roten Kleid mit weißen Punkten das Faschingsgeschehen am Rathaus. Foto: Karl Ziegler
Im Mittelpunkt beim Fosnd-Asgrom stand ein Plug und ein bunt gemischter Anhang. Foto: Karl Ziegler
Eine Augenweide waren auch die Dalmatiner mitsamt ihrer Dalmatiner-Lady. Foto: Karl Ziegler
Die Jesse-James-Big-Band verstammelte sich am Sportzentrum. Foto: Karl Ziegler
Dagegen vereinte sich die Schlutuper-Band im Böhmerwald. Foto: Karl Ziegler
Vom TSV-Sportheim mit der Blasmusik auf dem Weg machte sich auch eine Schulklasse. Foto: Karl Ziegler

Wenn in der Oberpfälzer Marktgemeinde am „Naschn Pfinsta“ der Wecker klingelt, weiß selbst der letzte Faschingsmuffel: Heute wird nicht gearbeitet – heute wird „ausgegraben“! Und zwar nicht irgendein Schatz, sondern die „Fosnd“, was für Uneingeweihte so viel heißt wie „Fasching ausgraben“.

Faschingstradition in Eslarn: Kostüme, Spaß und Musik

Seit Jahrzehnten verwandelt sich der Ort nahe der Grenze in der Faschingszeit in eine kunterbunte Bühne. Zahlreiche Frauen schlüpfen in fantasievolle Kostüme – und die Männer? Nun ja, die „verstecken“ sich traditionell in prächtigen Frauenkleidern mit Vorbauten, die jeder Statikprüfung standhalten würden. In der fünften Jahreszeit ist eben alles möglich – selbst neue Körbchengrößen für gestandene Oberpfälzer.

Jesse-James-Big-Band und Schlutupers bringen den Marktplatz zum Beben

Damit das Spektakel auch den richtigen Klang bekommt, sorgen zwei musikalische Schwergewichte für Stimmung: die Jesse-James-Big-Band vom Sportzentrum und die „Schlutupers“ vom Böhmerwald. Wenn diese Formationen aufspielen, wackeln nicht nur die Notenständer, sondern gleich der ganze Marktplatz. Den Start in die fünfte Jahreszeit übernimmt der katholische Frauenbund mit einem bunten Frühstücksbuffet.

Am Nachmittag strömen verkleidete Erwachsene, Jugendliche und Kinder – kurz gesagt: fast ganz Eslarn – auf die Straßen. Mit dabei: die „Zweigerler“ samt ihrem legendären Begleiter „Da Dotsch’n“ vom Tannenhof, eine geschniegelt kostümierte Schulklasse und sieben Dalmatiner mitsamt ihrer Dalmatiner-Lady, die vermutlich als einzige den Überblick über ihre Punkte behielt.

Straßenfasching mit vielen Gästen und Aktionen

Selbst die Arztpraxis öffnete ein Fenster zum Marktplatz. Statt Rezepten gab es dort ein „Aufmunterungs-Elixier“. Nicht nur Einheimische, auch Gäste aus umliegenden Gemeinden wollten sich das närrische Schauspiel nicht entgehen lassen. Bis aus Schwarzenfeld verstärken Musiker die Blaskapellen nach dem Motto: Wenn d’ Muse ruft, kommen Pauken und Trompeten freiwillig.

Traditioneller Pflug, Traktor und Blasmusik-Power

Höhepunkt des Tages: Die beiden Musikgruppen ziehen – ganz traditionell – mit einem Pflug durch den Ort, um symbolisch den Fasching auszugraben. Pferde? Schnee von gestern! Heute übernimmt ein Traktor die schwere Arbeit. Fortschritt muss sein, selbst am unsinnigen Donnerstag. Mit 19 Musikern bei Jesse-James und 14 bei den Schlutupers ergibt das geballte 33 Mann – kurz: Blasmusik-Power.

Zoigltermine
Zoigltermine

An feuchtfröhlichen Haltestellen – darunter die Prochers am Bahnhof, die Brotzeitstelle beim Fahrservice Hopfner, die Physiotherapie Dimitri, die Banken und die Tagespflege der AWO – legen sie Rast ein. Für jedes Ständchen gibt’s Applaus und gelegentlich eine flüssige Motivation.

Rathaus, Anzapfen und närrischer Ausklang

Als sich schließlich alle 33 Musiker mit über 200 Zuschauern auf dem Marktplatz versammelten, wurde dieser kurzerhand zum größten Faschingssaal unter freiem Himmel erklärt. Aus sicherer Entfernung beobachtete eine kleine hübsche „Maus“ im roten Kleid mit weißen Punkten das Geschehen. Offenbar hatten sich die Krawattenträger rechtzeitig in Sicherheit gebracht, da die „echten Frauen“ kein Opfer ausfindig machen konnten.

„Azapf ist!“, verkündete das Bauhofteam beim Gratis-Bierausschank vor dem Rathaus – drei Worte, die in Bayern mehr bedeuten als jede Regierungserklärung. Nach musikalischen Kostproben, ausgelassenem Tanz und reichlich Frohsinn zogen die beiden Gruppen schließlich wieder in entgegengesetzte Himmelsrichtungen davon – zurück zu ihren Hochburgen, begleitet von einem bunten Tross gut gelaunter Narren. Und so bleibt am Ende des Ausnahmezustandes eines klar: In Eslarn wird der Fasching nicht einfach gefeiert. Er wird ausgegraben, aufgeblasen, ausgeschenkt – und mit Pauken, Trompeten und jeder Menge Humor zelebriert.