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Obdachlosigkeit mitten in Weiden: Aktionstag auf dem Oberen Markt

Weiden. Die Initiative e.V. bringt das Thema Obdachlosigkeit mitten ins öffentliche Leben. Der „Tag der wohnungslosen Menschen“ beginnt am Freitag, 11. September, um 14 Uhr auf dem Oberen Markt.

Weiden. Die Initiative e.V. bringt das Thema Obdachlosigkeit mitten ins öffentliche Leben. Der „Tag der wohnungslosen Menschen“ beginnt am Freitag, 11. September, um 14 Uhr auf dem Oberen Markt.
Stephanie Roberts (links), Vorsitzende der Initiative e.V., und ihre Stellvertreterin Susi Vorsatz vor dem Initiative-Laden in der Breslauer Straße am Stockerhut. Foto: Christine Ascherl

Obdachlosigkeit mitten in Weiden: Aktionstag auf dem Oberen Markt

Gemeinsam mit Diakonie, Caritas und BRK lädt die Initiative zu Gesprächen bei Kaffee und Kuchen ein. Auf dem Podium wird auch ein wohnungsloser Mann von seinen Erfahrungen berichten. Oberbürgermeister Benjamin Zeitler hat sein Kommen zugesagt, außerdem einige Stadträte und Landtagsabgeordnete Laura Weber.

Initiative e.V. jetzt komplett am Stockerhut

Stephanie Roberts ist Vorsitzende und Geschäftsleiterin der Initiative e.V. Weiden, Susi Vorsatz die stellvertretende Vorsitzende. Der Verein kümmert sich seit vielen Jahren um Menschen, denen der Verlust ihrer Wohnung droht oder die bereits wohnungslos sind. Nach dem Tod der langjährigen Vorsitzenden Ursula Barrois musste sich die Initiative neu aufstellen. Dazu gehört auch der derzeit laufende Umzug vom Rehbühl in den Initiative-Laden in der Breslauer Straße.

„Es ist ein kompletter Neuanfang“, sagt Stephanie Roberts. Das Netzwerk, das Barrois über Jahrzehnte aufgebaut hatte, musste neu geknüpft werden. Heute zählt die Initiative 44 Mitglieder und beschäftigt vier hauptamtliche Mitarbeiter, der Vorstand besteht aus fünf Personen. Beisitzer sind Dr. Agnes Klupp, Elisabeth Heider und Ali Zant.

Aktionstag am Oberen Markt

  • Wann: Freitag, 11. September, ab 14 Uhr
  • Wo: Oberer Markt, Weiden
  • Veranstalter: Initiative e.V., Diakonie Oberpfalz, Caritas und BRK
  • Programm: Gespräche und Diskussionen bei Kaffee und Kuchen, in einer ersten Runde diskutieren die Hilfsorganisationen, ein selbst Betroffener sowie OB Benjamin Zeitler, dann kommen die Stadträte dazu.

Obdachlosenunterkunft stark ausgelastet

Die Arbeit der Initiative hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Für die Unterbringung im Ursula-Barrois-Haus und dessen Organisation ist inzwischen die Stadt zuständig. Die Initiative setzt deshalb verstärkt auf Prävention. Die Mitarbeiter engagieren sich dort, wo der Wohnungsverlust vielleicht noch verhindert werden kann.

Wohnungslosigkeit ist in Weiden keineswegs ein Randphänomen. Nach dem jüngsten Jahresbericht des Sozialdezernats wurden 2025 insgesamt 83 Fälle registriert. Im März 2025 war die neue Obdachlosenunterkunft – das Ursula-Barrois-Haus in der Schustermooslohe – erstmals vollständig ausgelastet. 16 Menschen konnten nach Angaben der Stadt im Laufe des Jahres wieder in eigenen Wohnraum vermittelt werden.

Zentrales Problem sind Alkohol und Drogen. Bei den Männern ist es häufig die Trennung von der Frau, die zum Totalabsturz führt. Gleichzeitig warnt Stephanie Roberts vor einfachen Erklärungen. Hinter der Wohnungslosigkeit stünden häufig schwierige Biografien, die weit zurückreichten, oft in eine Kindheit im Heim.

Witron Zoiglbrotzeit
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Wenn der Gerichtsvollzieher schon vor der Tür steht

Diese Präventionsarbeit beginnt beispielsweise, wenn eine Zwangsräumung droht. Dann wird geprüft: Gibt es Mietschulden? Kann mit dem Vermieter gesprochen werden? Seit August gibt es dieses Präventionsangebot neben Weiden auch für den Landkreis Neustadt/WN. Zwei hauptamtliche Kräfte kümmern sich darum, Stephanie Roberts und Susi Vorsatz unterstützen ehrenamtlich.

Dabei reicht die Hilfe sogar ins eigene Haus: Susi Vorsatz hat zwei Wohnungslose bei sich zu Hause aufgenommen. Nachdem ihre Tochter ausgezogen war, sei ihr der Gegensatz besonders bewusst geworden: Sie selbst bewohnte ein Haus, während ein Bewohner der Notunterkunft mit acht Quadratmetern auskommen muss. „Da habe ich mir gedacht: Nein, das kann es nicht sein.“ Seitdem bietet sie zwei Menschen vorübergehend ein Zimmer bei sich an – mit klaren Regeln und Vereinbarungen. Nach jeweils drei Monaten wird gemeinsam geschaut, wie es weitergeht.

Guter Zusammenhalt

Ein Pfeiler der Arbeit der Initiative sind die Dienstagstreffen in der Obdachlosenunterkunft, die wieder eingeführt wurden. Bei den Treffen ist Alkohol tabu. Die Betroffenen hätten das akzeptiert – vielleicht auch, weil Susi Vorsatz manchmal eine Brotzeit dabei hat. Anfangs tröpfelten die Teilnehmer, inzwischen sitzen oft 17, 18 Leute im Raum.

Die Ehrenamtliche ist beeindruckt, von der Gemeinschaft in der Schustermooslohe: „Alle haben ihre eigene Geschichte, aber alle halten zusammen.“ Die Bewohner unterstützten einander, teilten Essen oder Zigaretten und kochten füreinander. Inhalt der Dienstagstreffs sind Vorträge, etwa von Ulla Roscher-Geuss, Wohnungslotsin bei der Diakonie. Sie kennt den Wohnungsmarkt.

Die Adresse kann bereits zum Problem werden

Denn der Weg zurück in ein normales Leben scheitert meist an dieser alles entscheidenden Stelle: einer Wohnung. Bezahlbarer Wohnraum sei in Weiden extrem schwer zu finden, für Bewohner der Notunterkunft noch schwerer. Stephanie Roberts und Susi Vorsatz Zurückhaltung. Sie können die Bedenken von Vermietern durchaus nachvollziehen. Trotzdem wünschen sie sich mehr Bereitschaft, Menschen eine Chance zu geben.

Analog dazu scheitert die Jobsuche. Susi Vorsatz erzählt von einem Bewohner, der zahlreiche Bewerbungen geschrieben hat und vermutet, dass bereits seine Adresse in der Schustermooslohe zum Nachteil werde. „Wenn du keine Adresse hast, bekommst du keine Arbeit – und ohne Arbeit bekommst du keine Wohnung.“

Mehr Wohnungen – und ein Streetworker

Deshalb wollen die sozialen Organisationen den diesjährigen „Tag der wohnungslosen Menschen“ nutzen, um auch politisch Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie regen den Einsatz eines Streetworkers in Weiden an, der niedrigschwelliger Ansprechpartner sein könne.

Auch beim Wohnungsbau wünschen sich die Organisatoren Konsequenzen. Wenn in Weiden neue Quartiere entstehen, sollte aus ihrer Sicht bezahlbarer oder sozial gebundener Wohnraum mitgeplant werden. Als aktuelles Beispiel nennen sie die bevorstehende Entwicklung des Turnerbund- sowie des SV-Detag-Geländes. Auf beiden Arealen ist Wohnungsbau vorgesehen.