Atommüll-Endlager: Flossenbürg und Waidhaus bleiben im Rennen

Atommüll-Endlager: Flossenbürg und Waidhaus bleiben im Rennen
Die bayerische Staatsregierung fordert, die verbliebenen Gebiete in Ostbayern aus dem Verfahren zu nehmen.
Die Suche nach einem Atommüll-Endlager wird konkreter. Am Dienstag, 27. Oktober 2026, hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ihren dritten und letzten Arbeitsstand vor der geplanten Auswahl von Standortregionen veröffentlicht. Das Ergebnis: Nur noch weniger als fünf Prozent der Fläche Deutschlands werden weiter untersucht. Ende 2025 waren es noch rund 25 Prozent, im Jahr 2020 sogar 54 Prozent.
Eine der verbliebenen Flächen liegt bei Flossenbürg in der Nordoberpfalz. Im aktuellen Endlager-Navigator der BGE ist sie türkis markiert. Das bedeutet: Die ersten beiden Prüfschritte der sogenannten repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen (rvSU) wurden weitgehend bestanden. Der Bearbeitungsstand lautet: „Gebiet ist in Bearbeitung.“
Flossenbürg liegt nach Angaben der BGE im geologischen Teilgebiet „Moldanubikum“. Dieses gehört zu den Gebieten, die bereits im Zwischenbericht der BGE vom September 2020 für die weitere Endlagersuche ausgewiesen wurden. Das Teilgebiet umfasst insgesamt 36.836 Quadratkilometer und erstreckt sich über Teile Bayerns und Baden-Württembergs. Als mögliches Wirtsgestein nennt die BGE kristallines Gestein im Grundgebirge.
Bayern will die Gebiete in Ostbayern aus dem Verfahren haben
Während die BGE die Untersuchungen in Ostbayern fortsetzt, fordert die bayerische Staatsregierung den Ausschluss der verbliebenen Gebiete. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) erklärte am Dienstag, dass die BGE die Gebiete in Schwaben sowie in Unter- und Oberfranken inzwischen aus der Suche genommen habe. Für die Menschen in Ostbayern bleibe die Unsicherheit dagegen bestehen.
„Wir erwarten vom Bund, dass die aus unserer Sicht ungeeigneten Regionen schnell aus dem weiteren Verfahren genommen werden“, sagte Glauber.
Der Freistaat hält insbesondere die kristallinen Gesteinsformationen in der östlichen Oberpfalz und in Niederbayern für ungeeignet. Glauber betonte, dass bei der Endlagersuche die Sicherheit oberste Priorität haben müsse. Nach Einschätzung der Staatsregierung seien in Bayern derzeit keine Gesteinsformationen bekannt, die den erforderlichen sicheren Einschluss für eine Million Jahre gewährleisten könnten. Eine Behälterlösung, wie sie im Ausland verfolgt wird, lehnt Bayern ab. „Eine Garantie für dichte Behälter über einen Zeitraum von einer Million Jahre kann niemand geben.“
Fichtelgebirge und Neu-Ulm nicht mehr dabei
Dass die Endlagersuche inzwischen deutlich eingegrenzt wurde, zeigt sich auch in anderen Teilen Bayerns. Nach Angaben des Umweltministeriums werden das Kristallingebiet im Fichtelgebirge, das Tongebiet um Neu-Ulm und ein kleines Salzgebiet im nördlichen Unterfranken nicht mehr weiterverfolgt.
Die aktuelle Karte ist noch keine Entscheidung über mögliche Endlagerstandorte. Die türkis markierten Gebiete werden in weiteren Prüfschritten untersucht und erneut eingegrenzt. Bis Ende 2027 will die BGE einen Vorschlag erarbeiten, welche Standortregionen oberirdisch näher erkundet werden sollen.
Geologe: „Endlager in nördlicher Oberpfalz sehr unwahrscheinlich“
Vor einem Jahr hatten Landrat Andreas Meier und der Geologe Dr. Andreas Peterek, Leiter der Geschäfts- und Koordinationsstelle des Geoparks Bayern-Böhmen, noch zur Gelassenheit geraten. Meier betonte, dass die Aufnahme in die Standortkarte keine Vorentscheidung bedeute. Er ging davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Gebiete ausgeschlossen würden.
Auch Peterek hielt ein Endlager in der nördlichen Oberpfalz aus geologischen Gründen für sehr unwahrscheinlich. Granit als Endlagergestein sei aufgrund seines bruchhaften, spröden Verhaltens umstritten. Es müsse aber aufgrund der Gesetzeslage mit dem Behälterkonzept nach wie vor betrachtet werden.






