Ausschuss genehmigt Projekte in Lappersdorf, Reichenbach und Waldsassen

Ausschuss genehmigt Projekte in Lappersdorf, Reichenbach und Waldsassen
Ausschuss gibt Vorhaben der Sozialpartner grünes Licht
Wichtige Projekte für Menschen mit Behinderung auf den Weg gebracht
Wohnen und Werkstatt im Fokus: Der Sozial- und Teilhabeausschuss des Bezirkstags der Oberpfalz stimmte den Vorhaben der Sozialpartner in Lappersdorf, Reichenbach und Waldsassen zu.
Neukonzipierte Wohnplätze in Reichenbach, Werkstatt-Modernisierung in Lappersdorf und Bau einer Wohngemeinschaft in Waldsassen: Die Mitglieder des Sozial- und Teilhabeausschusses des Bezirkstags der Oberpfalz haben im erst vor wenigen Wochen eröffneten Wohnangebot der Lebenshilfe Regensburg in Beratzhausen wichtige Vorhaben der Sozialpartner für Menschen mit Behinderung bewilligt. Bezirkstagspräsident Franz Löffler lobte die vorgelegten Konzepte ausdrücklich. Denn gerade in herausfordernden Zeiten müsse man effizient und verantwortungsvoll mit den Ressourcen umgehen.
Neukonzeption der Wohnplätze in Reichenbach
Da die Generalsanierung des Klostergebäudes in Reichenbach bereits über 40 Jahre zurückliegt, streben die Barmherzigen Brüder eine förderfähige Neukonzeption an. In einem ersten Bauabschnitt soll nun der Westflügel modernisiert werden. Dabei werden 22 Wohnplätze – verteilt auf drei Stockwerke – unter den Aspekten einer Stärkung der Autonomie und Selbstbestimmung neu strukturiert. „Ein sehr kluger Schritt“, sagte Löffler.
Betreut werden dort 22 Menschen mit geistiger Behinderung, teilweise mit starken kognitiven Einschränkungen sowie mit Autismus-Spektrum-Störungen. Davon arbeiten fünf Personen tagsüber in einer Werkstatt und 13 Bewohner sind in einer Förderstätte beschäftigt. Zudem gibt es vier Plätze für ältere Menschen mit integrierter Tagesstruktur. Die Kosten belaufen sich auf rund 4,5 Millionen Euro. Aufgeteilt auf drei Raten bis 2028 gewährt der Bezirk Oberpfalz einen Gesamtzuschuss in Höhe von 424.000 Euro.
Modernisierung am Hauptstandort Lappersdorf
Die Lebenshilfe Regensburg hat sich dagegen entschieden, 20 Plätze der Regensburger Werkstätten gGmbH vom Hauptstandort in Lappersdorf nach Obertraubling zu verlegen. Neben Baupreissteigerungen und einer anderen Sanierungsmaßnahme hätten eine veränderte Auftragslage sowie rückläufige Belegungszahlen (demografisch bedingt) zum Umdenken geführt. Denn von den insgesamt 550 anerkannten Werkstattplätzen des Trägers seien in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich nur 530 Plätze belegt gewesen, berichtete die Leiterin der Sozialverwaltung Dr. Marje Mülder. Deshalb sieht der Plan der Regensburger Werkstätten nun vor, den Hauptstandort in Lappersdorf umfangreich zu modernisieren und die Plätze dort – wie ursprünglich geplant – von 220 auf 200 zu reduzieren. Die Bausumme beträgt rund 4,8 Millionen Euro, der Zuschuss des Bezirks 240.000 Euro. In Obertraubling denkt die Lebenshilfe langfristig an eine andere Teilnutzung des Gebäudes. Der Ausschuss stimmte der Änderung der Fördermaßnahme sowie der Reduzierung der Platzzahl auf insgesamt 530 Plätze zu.
Wohngemeinschaft im ehemaligen Krankenhaus
Die Lebenshilfe Tirschenreuth – Offene Behindertenarbeit/Familienentlastender Dienst – möchte eine Wohngemeinschaft mit elf Plätzen für Menschen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf in Waldsassen errichten. Geplant ist die Anmietung zweier nebeneinanderliegender Wohneinheiten im ehemaligen Krankenhaus. Das Platzangebot umfasst jeweils fünf beziehungsweise sechs Zimmer für Menschen mit Behinderung. Die Wohnungen liegen zentral, sodass das Stadtzentrum fußläufig und barrierefrei erreichbar ist.
Das Angebot richtet sich an erwachsene Menschen mit kognitiven und/oder körperlichen Beeinträchtigungen, mit dem Ziel, zu mehr Selbstbestimmung und Selbstständigkeit. Tagsüber sind die Bewohner in Werk- und Förderstätten in Mitterteich tätig. Umfassende Assistenzleistungen sind daher vorwiegend morgens und abends vorgesehen, wobei auch Angehörige und Ehrenamtliche in die Betreuung eingebunden werden sollen. Auch für dieses Projekt gab es grünes Licht, da die Versorgungsquote in der Nordoberpfalz unter dem Bayern-Schnitt liegt und keine Investitionskosten anfallen.
„Es ist wichtig, auf aktuelle Entwicklungen wie die Demografie zu reagieren“, ergänzte Löffler. Der Bezirk werde mit den Leistungserbringern auch weiterhin einen ehrlichen und konstruktiven Dialog führen. Mit Blick auf die strukturelle Neuaufstellung der sozialen Sicherungssysteme gehe es nicht um einen Kahlschlag, sondern um eine zielgerichtete Daseinsvorsorge für die Menschen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind, betonte er.
Aus für Wohnstätte in Mintraching
Zuvor nahm das Gremium den Sachstand zum Abschlussbericht der Evaluation der Bayerischen Rahmenleistungsvereinbarung „Werkstatt für Menschen mit Behinderung“ und zur Digitalisierung der Sozialpsychiatrischen Dienste sowie die Überarbeitung der Heimrichtlinien zur Kenntnis. Ferner wurden die Bezirksräte darüber informiert, dass die Trägerschaft der Außenstelle Parsberg von der Suchtberatungsstelle der Caritas Regensburg zur Suchtberatungsstelle der Diakonie Neumarkt gewechselt hat.
Zustimmung gab es auch für die Förderung von sozialen Diensten, Maßnahmen und Einrichtungen, die wegen ihrer überörtlichen, landesweiten Bedeutung von den Bezirken gemeinsam unterstützt werden. Der Zuschussanteil des Bezirks Oberpfalz beträgt im Jahr 2026 rund 115.000 Euro.
Den in der November-Sitzung genehmigten Antrag zur Errichtung von 24 Wohnplätzen in Mintraching hat die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. Ortsvereinigung Regensburg wieder zurückgezogen. Die Rücknahme wird mit Kostensteigerungen und weniger Neuanmeldungen begründet.
Über den Bezirk Oberpfalz
Als dritte kommunale Ebene neben den Gemeinden und Landkreisen unterstützt der Bezirk Oberpfalz mit rund 450 Mitarbeitenden Menschen mit Behinderungen sowie Pflegebedürftige und engagiert sich in der Kultur- und Heimatpflege, in der Fischerei und Teichwirtschaft und im Umwelt- und Landschaftsschutz. Die rund 4.000 Beschäftigten der „Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo KU)“ sind an acht Standorten für die neurologische und psychiatrische Gesundheit der Oberpfälzerinnen und Oberpfälzer im Einsatz.
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