Caritas Fachakademie setzt in Weiden starkes Zeichen für Demokratiebildung

Caritas Fachakademie setzt in Weiden starkes Zeichen für Demokratiebildung
Omas gegen Rechts, Weiden ist bunt und Amnesty International zu Gast an der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik Weiden
Demokratie erlebbar machen
Demokratie ist weit mehr als ein politisches System. Sie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, sich einbringen und für die Rechte anderer eintreten. Wie wichtig diese Haltung gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Herausforderungen ist, erlebten rund 70 Studierende der Caritas Fachakademie für Sozialpädagogik Weiden bei einem besonderen Projekttag mit den Initiativen „Omas gegen Rechts“, „Weiden ist bunt e. V.“ und Amnesty International.
Rollenspiel zeigt Ungleichheiten
Bereits der Einstieg machte deutlich, dass Demokratie jeden betrifft. Auf die Frage „Was versteht ihr unter Demokratie?“ nannten die Studierenden Begriffe wie Mitbestimmung, Gleichberechtigung, Grundrechte, Pressefreiheit und Meinungsfreiheit. Doch Demokratie sollte an diesem Tag nicht nur theoretisch besprochen, sondern unmittelbar erfahrbar gemacht werden.
Ein eindrucksvolles Rollenspiel der „Omas gegen Rechts“, vertreten durch Rosemarie Münchmeier, Elisabeth Heider und Sigrid Künkler, führte den angehenden Erzieherinnen und Erziehern vor Augen, wie unterschiedlich die Lebensrealitäten von Menschen sein können. Die Studierenden schlüpften in verschiedene Rollen – etwa die eines 18-jährigen marokkanischen Hilfsarbeiters mit Hauptschulabschluss, eines selbstständigen Friseursalonbesitzers oder eines erwerbslosen Fliesenlegers.
Pädagogische Übertragung
Anschließend wurden Aussagen vorgelesen wie „Du kannst den Beruf wählen, den du gerne ausüben möchtest“, „Du kannst dem örtlichen Tennisverein beitreten“ oder „Du kannst in deinem Heimatland Urlaub machen“. Wer die Aussage für seine Rolle bejahen konnte, durfte einen Schritt nach vorn gehen. Traf sie nicht zu, blieb die Person stehen.
Nach wenigen Minuten zeigte sich ein deutliches Bild: Einige standen weit vorn, andere waren weit zurückgeblieben. Die Frage der Referentinnen „Wie fühlen sich die, die ganz hinten stehen?“ beantworteten die Studierenden mit Begriffen wie „ausgeschlossen“, „nicht gesehen“ und „benachteiligt“. Diejenigen, die vorn standen, fühlten sich dagegen „bevorzugt“.
Stimmen und Hintergründe der Omas gegen Rechts
Besonders eindrucksvoll war die Übertragung auf die pädagogische Praxis. Auch Kinder erleben täglich, wie andere scheinbar mühelos vorankommen, während sie selbst zurückbleiben. Deswegen führen die Omas gegen Rechts dieses Spiel auch bei ihren Besuchen in den Grundschulen mit den Kindern durch, natürlich mit altersangepassten Fragen.
Die Übung machte deutlich, dass Menschen nicht immer die gleichen Voraussetzungen mitbringen und gesellschaftliche Chancen oft nicht allein von persönlicher Leistung abhängen.
„Mir war nicht bewusst, wie viele Menschen wegen bestimmter Voraussetzungen benachteiligt werden. Ich spüre das selbst ja nicht“, fasste eine Studierende ihre Erkenntnisse zusammen.
Demokratiearbeit statt Parteipolitik
Die „Omas gegen Rechts“ berichteten anschließend von ihrem Engagement. Die Bewegung entstand ursprünglich 2017 in Österreich als Reaktion auf demokratiegefährdende Entwicklungen und rechte Strömungen. Die Weidener Gruppe zählt derzeit zehn aktive Mitglieder. Viele von ihnen gehören einer Generation an, die noch von den Erfahrungen ihrer Eltern mit Krieg und Diktatur geprägt wurde.
„Wir haben angefangen, uns zu engagieren, weil wir sehen, dass Demokratie allerorts mit kleinen, subtilen Dingen unterwandert wird. Und weil wir Angst haben“, erklärten die Referentinnen offen.
Dabei gehe es ihnen nicht um parteipolitische Arbeit. „Wir reden nicht über Politik. Wir reden über Demokratie“, betonten sie. Demokratiearbeit sei zugleich Friedensarbeit. Um für ihre ehrenamtliche Tätigkeit gut vorbereitet zu sein, besuchen die Aktiven regelmäßig Fortbildungen und Workshops. Dort lernen sie beispielsweise, wie sie auch in konfliktreichen Situationen respektvoll und friedlich reagieren können.
Kooperationsspiel von Weiden ist bunt und Amnesty International
Dass demokratisches Zusammenleben nur durch gemeinsames Handeln gelingt, verdeutlichte anschließend ein Kooperationsspiel von „Weiden ist bunt“ und Amnesty International. Die Aufgabe bestand darin, gemeinsam schräg geschnittene Holzklötze auf andere Holzklötze aufrecht zu setzen. Möglich war dies nur durch ein Geflecht aus Schnüren, an denen alle Beteiligten gleichzeitig ziehen mussten.
Die Botschaft war schnell erkennbar: Demokratie funktioniert nur, wenn Menschen zusammenarbeiten und Verantwortung übernehmen. Lässt jemand seine Schnur los, gerät das gesamte Konstrukt ins Wanken. Für ein gemeinsames Ziel braucht es gemeinsame Regeln, gegenseitige Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Demokratie auch Grenzen kennt und komplexe Fragen aufwirft: Was geschieht, wenn Menschen sich bewusst nicht beteiligen oder gemeinsame Regeln ablehnen? Gerade hier zeigt sich die Herausforderung demokratischer Gesellschaften.
Menschenrechte und offene Stadtgesellschaft
Veit Wagner und Hans-Peter Paukstatt-Künkler stellten sowohl die Arbeit von Amnesty International als auch die des Vereins Weiden ist bunt e. V. vor.
Die weltweit tätige Menschenrechtsorganisation setzt sich seit ihrer Gründung im Jahr 1961 für Menschen ein, deren Rechte verletzt werden. 1977 erhielt Amnesty International den Friedensnobelpreis. Durch Brief- und Unterschriftenaktionen werden weltweit Fälle von Menschenrechtsverletzungen öffentlich gemacht. Auch wenn nicht jede Kampagne unmittelbar zum Beispiel zur Freilassung von Gefangenen führt, können oftmals Verbesserungen wie medizinische Versorgung oder faire Gerichtsverfahren erreicht werden.
Im Namen von „Weiden ist bunt“ stellten die beiden Vertreter ihre Vision einer offenen Stadtgesellschaft vor: „Wir wollen eine Stadt, die Toleranz, Vielfalt und Respekt zeigt.“ Veit Wagner und Hans-Peter Paukstatt-Künkler richteten einen eindringlichen Appell an die zukünftigen pädagogischen Fachkräfte: „Jede Mitgliedschaft und jedes Engagement sind ein Zeichen für Freiheit und Demokratie. Ihr arbeitet später mit den Jüngsten unserer Gesellschaft. Demokratie fängt bei Kindern an.“
Demokratiebildung beginnt im Alltag
Gerade für angehende Erzieherinnen und Erzieher hat diese Botschaft eine besondere Bedeutung. Demokratiebildung beginnt nicht erst im Politikunterricht, sondern im täglichen Miteinander: bei Kinderkonferenzen, Partizipation, gewaltfreier Kommunikation und der Erfahrung, dass die eigene Meinung zählt und gehört wird.
Fachakademieleitung Dr. Barbara Neuber bedankte sich abschließend für den Besuch und das Engagement der Initiativen und betonte abschließend: „Als Fachakademie für Sozialpädagogik ist es uns ein zentrales Anliegen, unsere Studierenden auf diese verantwortungsvolle Aufgabe vorzubereiten. Wer Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg begleitet, übernimmt auch Verantwortung für die Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft. Demokratie ist dabei nicht selbstverständlich. Sie muss jeden Tag neu gelebt, geschützt und gestaltet werden.“
Fazit: Demokratie lohnt sich
Der Besuch der Initiativen hat eindrucksvoll gezeigt: Demokratie ist nicht immer einfach. Sie verlangt Kompromisse, Mut und Engagement. Aber sie lohnt sich – in der Politik ebenso wie im Alltag, in Beziehungen, in sozialen Einrichtungen und vor allem dort, wo junge Menschen lernen, ihre Welt mitzugestalten.
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