Der Abzug von 5000 US-Soldaten und die dramatischen Folgen für zwei Standorte
Der Abzug von 5000 US-Soldaten und die dramatischen Folgen für zwei Standorte
„Die Rache der Gekränkten“ schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Geschichte über Donald Trump und seine ebenfalls als Narzissten geltenden Gesinnnungsgenossen Putin, Erdogan und Orban. Kaum anders kann man die mittlerweile offiziell bestätigte Ankündigung des US-Präsidenten interpretieren, aus Deutschland mindestens 5000 Soldaten abzuziehen.
Abschied der „Stryker Brigade“ droht
Trumps Drohung ist offensichtlich die Antwort auf Bundeskanzler Friedrich Merz, der es gewagt hatte, den Iran-Krieg und eine fehlende US-Strategie dahinter zu kritisieren. Schon 2016 bezichtigte Trump die damalige Kanzlerin Angela Merkel, Deutschland zu „ruinieren“; das Land sei ein „totaler Schlamassel, gigantische Kriminalität“. Nun soll Merz sein „kaputtes Land“ wieder „in Ordnung bringen“.
Quellen des US-Militärs haben am Montag bestätigt, dass nach vielen Jahren der Stationierung in den Rose Barracks Vilseck das 2. Kavallerieregiment der US Army die Oberpfalz verlassen soll. Verteidigungsexperten und auch „Stars und Stripes“, das offizielle Organ des US-Militärs, hatten bereits spekuliert, dass es wohl diese Einheit treffen würde, nachdem von einer Verlegung von 5000 Soldaten oder mehr die Rede war. Die „Stryker Brigade“ in Vilseck ist der einzige Kampfverband dieser Größe, den die Vereinigten Staaten derzeit in Deutschland stationiert haben.
Schwerer Schlag für die Region
Für die strukturschwache Region in der nördlichen Oberpfalz ist der Abzug von US-Truppen ein schwerer Schlag. Und aus welchem Grund auch immer die Vereinigten Staaten Truppen aus Deutschland abziehen: Für die beiden Bürgermeister Edgar Knobloch (Grafenwöhr) und Thorsten Grädler (Vilseck) ist eher die Tatsache, dass es wohl so kommt, dramatisch. Die wirtschaftliche Zukunft in der Region ist eng verknüpft mit dem US-Militär. Die US-Streitkräfte sind der größte Arbeitgeber in der Region, rund 3000 zivile deutsche Beschäftigte arbeiten dort. Auch weite Teile der Wirtschaft hängen an den rund 30.000 bis 40.000 US-Amerikanern und ihren Familien, die hier leben. Beispiel Gastronomie. „Wir haben 30 gastronomische Betriebe, das ist für eine Kleinstadt wie Grafenwöhr schon sehr ungewöhnlich“, sagt Knobloch.
Thorsten Grädler, der neu gewählte Bürgermeister von Vilseck, hofft, dass der Abzug durch Gespräche auf höchster politischer Ebene noch abgewendet werden kann. Für seine Stadt und das Umland hätte dies wirtschaftlich enorme Einschnitte zur Folge. Von Autowerkstätten bis zu Lebensmittelgeschäften, Gaststätten und Discountern wären viele Bereiche betroffen, so Grädler. Dazu schreibt der Europaabgeordnete Christian Doleschal (CSU) in einer Pressemeldung: „Der… Abzug von rund 5.000 US-Soldaten betrifft unsere Region unmittelbar, sicherheitspolitisch wie wirtschaftlich. Tausende Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an den Standorten, von zivilen Beschäftigten bis zu regionalen Betrieben und dem Einzelhandel. Die transatlantische Partnerschaft bleibt unverzichtbar. Gerade deswegen erwarten wir, dass solche Entscheidungen eng abgestimmt werden.
„Lediglich Ankündigungen und Planungen“
Auch Doleschals Parteifreund Albert Rupprecht (MdB) hat eine Pressemitteilung zum Thema verschickt. Darin heißt es unter anderem, dass es sich aktuell lediglich um Ankündigungen und Planungen handle, nicht um konkrete Entscheidungen. „Wir nehmen die Situation sehr ernst und bringen unsere Argumente aktiv und mit Nachdruck ein. Ich habe daher Kontakt zu allen entscheidenden Institutionen – vom Bundesverteidigungsministerium bis zum Kanzleramt … – aufgenommen. Rupprecht optimistisch: „Solche Diskussionen hat es immer wieder gegeben. Entscheidend war dabei stets, dass die überzeugenden Argumente für Grafenwöhr klar vorgetragen wurden und Wirkung entfaltet haben.“
Geschlossen wird der Standort nicht. Mindestens 8000 Soldaten sollen dauerhaft auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr bleiben. Das macht ihn weiterhin zu einem der bedeutendsten US-Militärstandorte in Europa. Zuletzt hatte die US-Armee noch dreistellige Millionensummen in den Standort Vilseck investiert. Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist 233 Quadratkilometer groß und grenzt im Süden unter anderem an Vilseck, wo die Militärbasis „Rose Baracks“ liegt.
Nur eine Delle in den Beziehungen?
Trotz allen Bemühens der Politik hängt die Drohung Trumps wie ein Damoklesschwert über der mittleren und nördlichen Oberpfalz. Ein Abzug der US-Soldaten aus Bayern hätte nicht nur wirtschaftliche Folgen. Die Army sei „ein Bestandteil des Ortes“, sagt Christian Graf, Bürgermeister des Marktes Hohenfels, wo es ebenfalls einen Truppenübungsplatz gibt. US-Soldaten spielten auch Fußball oder Basketball in den örtlichen Vereinen, ihre Kinder würden die Schulen hier besuchen. „Hinter all dem stecken Menschen.“
In Grafenwöhr hofft man, dass der mögliche Abzug der 5000 Soldaten nur eine Delle in den Beziehungen zu den US-Amerikanern darstellt. Bürgermeister Knobloch zählt einige Argumente auf, die Grafenwöhr für die Amerikaner so wertvoll machen: die Rechtssicherheit bei Bauprojekten, die Akzeptanz der US-Streitkräfte in der Bevölkerung oder die enge Verknüpfung auf vielen Ebenen zwischen Einheimischen und Soldaten. „All das ist sehr wichtig für das US-Militär“, glaubt Knobloch.






