Freibier, Blasmusik und Standing Ovations: Die CSU Weiden feiert ihren Oberbürgermeister - Bildergalerie

Freibier, Blasmusik und Standing Ovations: Die CSU Weiden feiert ihren Oberbürgermeister - Bildergalerie
Um 19.45 Uhr zieht Zeitler mit Ehefrau Loreen und Töchterchen Livia zu Marschmusik in den Postkeller-Saal ein. Empfangen von rund 200 Parteifreunden, die stehend applaudieren. „Unsere Reise ist hier nicht zu Ende“, ruft der künftige Oberbürgermeister Benjamin Zeitler ins Mikro: „Sie geht gerade erst los.“ Er wolle erste Akzente in den Bereichen Wirtschaft und Bauen setzen, noch im ersten Halbjahr.
Mit unglaublichem Ehrgeiz hatte sich der 45-Jährige in einen intensiven Wahlkampf geworfen. Er war sich für nichts zu schade: Leberkäs mit Söder, eine Nacht im „Hashtag“. Eine Woche vor der Wahl versprach er Döner für drei Euro. Kein Tag ohne Live-Auftritt, kein Tag ohne Social-Media-Reel. Eifrig unterstützt von der Jungen Union, die sich über die Junge Liste drei Stadtratsmandate gesichert hat.
Einer der ersten Gratulanten: OB Jens Meyer
Am Ende hat sich der Einsatz gelohnt. Mit 65,7 Prozent erobert der promovierte Politikwissenschaftler das rote Rathaus zurück. Seit 2008 regierte in Weiden die SPD. Damals hatte Überraschungssieger Kurt Seggewiß den populären CSU-Mann Lothar Höher aus dem Rennen geworfen. Höher kassierte die Quittung nach dem Schröpf-Skandal. Eine tragische Geschichte.
Die tragische Figur vom Sonntag heißt Jens Meyer, seit 2020 im Amt. Als sich der Wahlsieg gegen 18.25 Uhr abzeichnet, ist der 55-Jährige einer der ersten, der sich durch den überfüllten Sitzungssaal den Weg zum Sieger bahnt. Unauffällig, zurückhaltend, wie es seine Art ist. Er schüttelt Kontrahent Zeitler die Hand, die Linke legt er ihm fest auf die Schulter. „Ich wünsche dir viel Kraft in diesem Amt.“ Weiß Gott: Meyer hat im letzten Jahr erlebt, wie kräftezehrend dieses Amt sein kann.
Wie es für ihn kommunalpolitisch weitergeht, will Meyer noch nicht festlegen. Kommunalpolitik war für ihn eine Herzensangelegenheit. 2002 gelang ihm als Neuling der Sprung in den Stadtrat. Er machte mit einem beispiellosen Haustürwahlkampf 25 Plätze gut. Meyer hat in der Kommunalpolitik viele gute Jahre erlebt. Ab 2005 war er Fraktionsvorsitzender, ab 2008 stellvertretender Bürgermeister.
Beruflich könnte Meyer zur Polizei zurückkehren. Zuletzt ermittelte er bei der Kripo Weiden als Kommissar für Wirtschaftskriminalität, auch in ganz großen Fällen. Er hat den Ruf eines akribischen Ermittlers. Vielleicht fiel ihm genau diese Correctness im Amt des Oberbürgermeisters auf die Füße. Obendrauf erwischte er schwere Zeiten (Corona, Ukraine, die Baukrise). Eine listige Opposition machte ihm das Leben schwer, jede Mehrheit musste er sich suchen. Es ist vorbei.
Von Zeitler wird jetzt Großes erwartet. „Über Bande“ will er spielen. Seine Mitspieler sind am Wahlabend nach Weiden gekommen: der Landtagsabgeordnete Stephan Oetzinger, der Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht. Auch Bürgerlisten-Spitzenkandidat Jürgen Meyer ist mit Ehemann Max in den Weidener Osten gefahren, bei bester Stimmung. Ein Bürgermeister-Posten scheint für die Bürgerliste greifbar. Ein Geschenk für Wahlkampfhilfe?
Wer dritter Bürgermeister wird, wird an diesem Abend immer mal andiskutiert. Diese Entscheidung könnte im Stadtrat die erste Kraftprobe werden. Zwar ist die SPD nach der CSU die zweitstärkste Fraktion, aber die Mehrheit stellen CSU, Bürgerliste und die Freien. Bestimmen sie damit auch die dritte Bürgermeister(in)? Die CSU-Frauen Ilona Forster und Stefanie Sperrer haben Spitzenergebnisse eingefahren.
Und bei den Frauen sitzt parteiübergreifend der Frust tief: Nur noch sieben von 40 Stadträten sind weiblich. Einige „Grande Dames“ der Weidener Kommunalpolitik sind nicht mehr vertreten: etwa Dagmar Nachtigall, Eva Nitsche, Brigitte Schwarz, Gabriele Laurich. Hinausgekegelt von schwarzen Shootingstars wie Christoph Schirdewahn, Maximilian Wies, Philipp Roider, Lukas Frey. Und der AfD, die mit sechs Stadträten einzieht – ausschließlich Männer.
Zeitler: Zusammenarbeit mit (fast) allen Fraktionen
Zeitler kündigt an, mit allen Fraktionen zusammenarbeiten zu wollen („nur mit einer tun wir uns sehr schwer“). In der Sache liege man ja oft nicht weit auseinander. „Wir haben alle das gleiche Ziel: Wir wollen Weiden voranbringen.“ An seine Seite holt er im Postkeller immer wieder Stephan Gollwitzer, Freund und CSU-Kreisvorsitzender. Der jubelt stellenweise mehr als der neue OB: „Wir sind Oberbürgermeister!“
120 Sekunden Standing Ovations sind Zeitler am Ende der Rede sicher. 20.15 Uhr – und der Abend ist noch lange nicht zu Ende. Im Postkeller wird bei Freibier und Frei-Schnitzel gefeiert. Für den Stadtteil Muglhof kündigt der künftige Oberbürgermeister gleich noch eine zusätzliche Party an: Dort hat er 97,4 Prozent eingefahren. „Hans Balk, da droben machen wir mal ein g’scheites Fest!“
Szenenwechsel. 20.30 Uhr. Keine 500 Meter weiter in der „Almhütt’n“. Hier werden schon die Stühle auf die Tische gestellt. Das Treffen der SPD ist in der Auflösung. Stadtverbandsvorsitzender Christoph Birner gibt ein letztes Interview. Dann gehen hier die Lichter aus.
Bilder der Wahlnacht





















