Genossenschaft widerspricht Kritik am Windpark in Parkstein

Genossenschaft widerspricht Kritik am Windpark in Parkstein
Leserbrief von Ruth Reichl, Parkstein:
Die Bürgerinitiative „Windparkfreie Heimat“ schürt derzeit mit Flyern, Leserbriefen und in den sozialen Medien Zweifel und Ängste bezüglich der Finanzierbarkeit, des finanziellen Risikos und der zu erwartenden Rendite des Bürgerwindparks Eichentratt. Dabei wird immer wieder auf den „fehlenden Investor“ verwiesen, für den die Gemeinde angeblich als „finanzielle Melkkuh“ einspringen muss.
Wer so etwas behauptet, diskutiert am Wesen einer „Bürger-(Energie)-Genossenschaft“ vorbei. In Wikipedia kann man dazu nachlesen: „Anders als bei Kapitalgesellschaften hängt die Geschäftspolitik [von Genossenschaften] nicht von den Interessen außenstehender Investoren ab, sondern wird allein von den Belangen der Mitglieder bestimmt.“ Und weiter: „Im Gegensatz zum Prinzip der Profitmaximierung anderer Wirtschaftsunternehmen ist das zentrale Leitmotiv die Nutzenmaximierung bei der Bereitstellung von wirtschaftlichen Erzeugnissen oder öffentlicher Daseinsvorsorge. In der Regel verfolgen Genossenschaften Ziele, die über jene reiner Wirtschaftsbetriebe hinausgehen und Werte sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung umfassen.“
Was eine Bürgerenergie-Genossenschaft ausmacht
Hätten die Initiatoren der BEP vor fünf Jahren vorgehabt, mit der Windenergie für sich persönlich einen „Reibach“ zu machen, wie ihnen nun von der Bürgerinitiative unterstellt wird, hätten sie dafür also sicher keine Genossenschaft gegründet. Und weil von Anfang an klar war, dass die Millionenbeträge, die solche Energieprojekte nun einmal kosten, keinesfalls allein durch die Einlagen der Mitglieder finanziert werden können, hat die Gemeinde ja 2021 in einem Ratsbegehren danach gefragt, ob die Mehrheit der Bürger ihr Engagement in diesem Bereich wünscht, und sich anschließend gemäß ihres Auftrags dafür stark gemacht – auch finanziell! Dass dabei nicht allein der größtmögliche Profit im Vordergrund stand und steht, sondern eben auch die Nutzenmaximierung für alle Parksteiner Bürger, unterscheidet eine Gemeinde ebenso wie eine Genossenschaft von einem rein profitorientierten Wirtschaftsunternehmen.
Die BEP hat als Genossenschaft aus denselben Gründen noch nie nach einem Investor gesucht und wird es auch nicht tun. Unser Ziel ist nicht, dass ortsfremde Großunternehmer Gewinne aus unseren Projekten abschöpfen. Und welcher Unternehmer würde auch Millionen in ein Windrad investieren, um dann mit Bürgern einer Gemeinde in der Generalversammlung zu sitzen und demokratisch über die Ausschüttung seiner Gewinne abzustimmen?
Nutzen und Risiken für Parkstein
Wir sind aufgrund vielfacher Berechnungen sicher, dass unsere Projekte den Bürgern Parksteins nach Errichtung der Windräder sowohl praktischen als auch finanziellen Nutzen bringen werden: mit einer unabhängigen, sicheren und klimafreundlichen Stromversorgung, mit einem vergünstigten Stromtarif für alle Einwohner und mit Renditen für die Mitglieder der Genossenschaft. Die derzeitigen Berechnungen dazu liegen bei mindestens 3,5 Prozent und damit wahrscheinlich höher als bei einer Geldanlage bei einer Bank, wobei die Gewinne stark davon abhängen, wann die Windräder gebaut werden können und zu welchem Preis pro kWh der Strom dann verkauft werden kann.
Sollte die Gemeinde jedoch mit ihren Mitgliedsanteilen aus der BEP austreten – was tatsächlich ohne weitere rechtliche Prüfung wie bei jedem anderen Mitglied möglich ist und passieren wird, sollte eine Mehrheit für den Ausstieg stimmen – kann die Genossenschaft nicht ad hoc sieben Millionen Gemeindegeld aus der Portokasse ausgleichen.
Folgen eines Austritts der Gemeinde
Dann wird tatsächlich der viel beschworene Investor „unsere“ Solarparks übernehmen und „unsere“ Windräder bauen. Den Gewinn wird er, ohne uns Parksteiner zu fragen, ganz allein für sich behalten.
Die Windräder werden dann aber trotzdem dastehen – ob sie uns nun gefallen oder nicht.
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