IG BAU fordert Flexi-Rente in Weiden, Neustadt und Tirschenreuth

IG BAU fordert Flexi-Rente in Weiden, Neustadt und Tirschenreuth
Die IG BAU Oberpfalz fordert in der Nordoberpfalz eine Rentenpolitik, die den körperlichen Belastungen vieler Berufe gerecht wird. Mit Blick auf Weiden, den Landkreis Neustadt/WN und den Landkreis Tirschenreuth verweist die Gewerkschaft auf sehr wenige Beschäftigte über 63 Jahren auf dem Bau.
Wenige Bauarbeiter über 63 in Weiden, Neustadt/WN und Tirschenreuth
In Weiden arbeiten rund 670 Bauarbeiter; davon sind aktuell rund 30 älter als 63 Jahre. Im Landkreis Neustadt/WN zählt die Arbeitsagentur rund 1.130 Beschäftigte auf dem Bau, etwa 70 davon sind über 63. Im Landkreis Tirschenreuth stehen rund 1.310 Bauarbeiter in Lohn und Brot, nur rund 70 von ihnen sind älter als 63.
Auf die Belastung auf den Baustellen verweist Wolfgang Brandmüller von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. „Ob Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer: Sie machen harte körperliche Arbeit. Und das bei Wind und Wetter – bei Hitze und Frost“. Der Vorsitzende der IG BAU Oberpfalz sieht eine kritische Altersgrenze: „Für die meisten ist schon Schluss, bevor sie 60 sind. Sie packen die Arbeit auf dem Bau gesundheitlich dann einfach nicht mehr“.
Forderung nach Flexi-Rente und früheren Übergängen
Die Gewerkschaft stellt die Pläne der Rentenkommission infrage, die die Bundesregierung umsetzen will. „Es schafft kaum einer, auf dem Bau bis 67 zu arbeiten. Wenn es demnächst dann noch länger gehen soll: keine Chance“. Was aus Sicht der IG BAU fehlt, fasst Brandmüller so zusammen: „Was dabei fehlt, ist die Flexi-Rente. Also die Chance auf vernünftige Übergänge vom Arbeitsleben in den Ruhestand für alle Branchen, in denen Beschäftigte durch ihren Job gesundheitlich einfach früher am Ende sind. Eine faire Rente muss unbedingt dem ‚Härtegrad der Arbeit‘, die geleistet wird, angepasst werden“, außerdem fordert er für die Betroffenen einen „Expresszugang in den regulären Ruhestand“.
Neben der Baubranche nennt die IG BAU die Land- und Forstwirtschaft, die Gebäudereinigung sowie den Garten- und Landschaftsbau. An die heimischen Bundestagsabgeordneten in Weiden, im Landkreis Neustadt/WN und im Landkreis Tirschenreuth richtet die IG BAU den Appell, „Renten-Rückgrat“ zu zeigen und die Pläne der Bundesregierung „dringend zu korrigieren“.
Debatte um Rente mit 63 und Folgen für Baby-Boomer
Zusätzliche Kritik richtet die IG BAU gegen Überlegungen, die Rente mit 63 abzuschaffen. „Das wäre gerade für viele Baby-Boomer ein Schlag ins Gesicht. Es macht ihnen nämlich einen dicken Strich durch ihre Lebensplanung“. In Weiden gehen nach Einschätzung der Gewerkschaft 6.600 Baby-Boomer in den kommenden zehn Jahren in Rente, im Landkreis Neustadt/WN 16.500, im Landkreis Tirschenreuth 12.600. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Berechnungen des Pestel-Instituts.
Vor diesem Hintergrund warnt Brandmüller vor Vertrauensverlust. „Immerhin haben viele Boomer ihre Beitragsjahre für die Rente voll. Sie haben 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt und damit eine enorm lange Zeit ihres Lebens gearbeitet. Ihnen jetzt – gewissermaßen kurz vor knapp – die Rente mit 63 vor der Nase wegzuschnappen, das geht nicht. Das kostet politisches Vertrauen – und Vertrauen in den Staat“.
Rentenniveau und Zusatzrente im Fokus
Auch das Rentenniveau rückt die IG BAU in den Fokus und verlangt eine feste Haltelinie. „Der Staat darf den Baby-Boomern ab 2031 kein Absenken des Rentenniveaus unter 48 Prozent zumuten. Auch hier muss die Rentenpolitik Verantwortung zeigen: Rente ist politische Vertrauenssache“, so Brandmüller.
Die IG BAU fordert von der Bundesregierung eine klare Zusage, dass das Rentenniveau nicht einbricht – auch beim Übergang zur kapitalgedeckten Zusatzrente. „Grundsätzlich muss das Rentenniveau dann schnell wieder auf mindestens 53 Prozent kommen“, sagt Brandmüller. Zugleich sollen sich die heimischen Bundestagsabgeordneten in ihren Fraktionen in Berlin jetzt stark machen.
Wenn Du OberpfalzECHO als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Dich auf.
Füge jetzt OberpfalzECHO Deinen Quellen hinzu!




