Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
EAD Dirnberger, Jobs – 119.351
EAD Dirnberger, Jobs – 119.351

Landrat Hubert Schicker: Das Thema Krankenhaus ist noch lange nicht erledigt

Tirschenreuth. Es war eine der größten Überraschungen der Kommunalwahlen im März. Der Freie Wähler Hubert Schicker besiegte in der Stichwahl den amtierenden CSU‑Landrat Roland Grillmeier. Im Interview mit OberpfalzEcho spricht der 48-Jährige über seine bisherigen Erfahrungen, wie er welche Aufgaben schon erledigt hat oder noch auf dem Programm stehen.

Landrat Hubert Schicker: Das Thema Krankenhaus ist noch lange nicht erledigt

Hubert Schicker nach gut 100 Tagen als Landrat: „Ich bin überall sehr gut aufgenommen worden. Foto: Udo Fürst

Nach der Kommunalwahl am 8. März schien die Wahl zum Landrat des Landkreises Tirschenreuth seinen erwarteten Gang zu gehen: Der amtierende Landrat Roland Grillmeier (CSU) führte das Tableau mit 42,2 Prozent deutlich vor Hubert Schicker an, der mit 30,6 Prozent der Stimmen schier aussichtslos zurücklag. „Das ist ein Super-Ergebnis, das ich nicht erwartet hätte“, sagte FW-Politiker Schicker am Wahlabend. Dass er zwei Wochen später das Blatt noch umdrehen könnte, lag für den Pechtnersreuther (Waldsassen) in weiter Ferne. Doch Schicker schaffte die Überraschung, gewann die Stichwahl gegen den amtierenden Landkreischef mit 51,2 Prozent.

Vom direkten Kontakt begeistert

So richtig begreifen kann er das, 117 Tage nach seinem Triumph, noch immer nicht so ganz. „Die ersten Wochen waren schon nicht einfach. Das stürzt so viel auf einen ein“, gesteht Schicker. Doch mittlerweile habe sich das meiste eingespielt, er habe unglaublich viel Freude daran, als Kommunalpolitiker unmittelbaren Einfluss auf Entscheidungen nehmen zu können. „Hauptsächlich der direkte Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern begeistert mich.“ Hubert Schicker, der noch nie ein kommunalpolitisches Amt inne hatte, wirkt gelöst, empathisch und tatendurstig. „Wenn ich gewusst hätte, wie toll das ist, hätte ich es schon früher gemacht“, sagt er lachend. Was ihm wichtig sei: seine im Wahlkampf versprochene Bürgernähe umzusetzen. Wer während der Öffnungszeiten zu uns kommt, wird nicht weggeschickt.“ Es gebe nur wenige Ausnahmen, bei denen man zuvor einen Termin vereinbaren müsse.

Die Zusammenarbeit mit dem neuen KNO-Vorstand ist ausgezeichnet.

Hubert Schicker, Landrat des Landkreises Tirschenreuth

Viel Arbeit liegt vor ihm, dessen sei er sich bewusst. Als eine der wichtigsten Aufgaben sieht er die Gesundheitsversorgung im Landkreis. Also jenes Thema, das die Wahl wohl am meisten beeinflusst haben dürfte. Und es ist auch das Thema, bei dem ihm der abgewählte Grillmeier kürzlich in einem Zeitungsinterview vorgeworfen hat, noch nichts getan zu haben, obwohl Schicker damit Wahlkampf betrieben habe. „Ich möchte jetzt nicht mit gleicher Münze zurückzahlen oder nachtreten. Nur so viel: Das hat mich schon sehr gewundert. Roland Grillmeier ist nach wie vor im Aufsichtsrat der Kliniken Nordoberpfalz AG. Und deshalb müsste er wissen, dass schon sehr viel im Hintergrund läuft und es hier bereits riesige Fortschritte gibt. Das sind aber Entscheidungen, die bis jetzt nicht spruchreif sind und über die man keine Wasserstandsmeldungen abgibt.“

Wo ist der Eingang beim Krankenhaus?

Schicker bezeichnet die Zusammenarbeit mit dem neuen KNO-Vorstand als ausgezeichnet, verweist aber darauf, dass die gesundheitspolitischen Entscheidungen in Bund und Land alles sehr erschwerten. Man arbeite mit Hochdruck an konkreten Entscheidungen, die auch das Krankenhaus in Tirschenreuth betreffen. „Im Oktober werden die nächsten Weichen gestellt. Vorher kann und darf ich nichts sagen.“ Der Landrat schildert eine Verbesserung, die bereits jetzt spürbar sei. „Seit 1. Mai hat das Klinikum Weiden alle Notfälle aufgenommen. Kein Patient musste nirgendwo anders hin transportiert werden. Aber klar ist, dass wir in Tirschenreuth eine Verbesserung der Notfallversorgung für einfache Fälle benötigen.“ Das beginne schon bei der Frage, wo genau eigentlich der Eingang zum Krankenhaus sei. „Im Moment weiß niemand so genau, wo es hineingeht. Bei der ehemaligen Notaufnahme, am Haupteingang oder am MVZ? Das muss der Patient zuverlässig wissen.“

Von A wie Amt bis P wie Politik

Welche Vorhaben wurden in seiner kurzen Amtszeit schon umgesetzt oder zumindest begonnen?

Hubert Schicker: „Da ist zum einen der Wirtschafts-Kümmerer, den wir installiert haben. Und hier ist sehr interessant, dass bereits acht Fälle an ihn herangetragen wurden, von denen er auf sieben innerhalb eines Tages antworten konnte. Das ist Weltklasse. Damit haben wir ein Instrument geschaffen, das für Gewerbetreibende und die Wirtschaft wichtig ist. Letztlich profitiert hier auch der Bürger.“ Beschlossen worden sei im Kreisausschuss das Wechselladerkonzept, das seit Jahren immer wieder vor sich hergeschoben wurde.

WITRON – Last call Ausbildung
WITRON – Last call Ausbildung

Die ersten Erfahrungen

Wie wurde der neue Landrat Hubert Schicker aufgenommen?

a) im Amt?
Schicker: Das Amt hat mich sehr positiv überrascht. Vor der Behörde Landratsamt hatte ich schon etwas Respekt, weil ich wusste, wie loyal die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüber Roland Grillmeier waren. Ich habe aber schnell festgestellt, dass sich die Loyalität nicht auf eine Person, sondern auf das Amt des Landrats bezieht. Diese Loyalität habe ich vom ersten Tag an gespürt. Ich zähle auch die Teamfähigkeit zu meinen Stärken. Nur als Mannschaft kannst du etwas erreichen. Und jede Mannschaft braucht einen Kapitän.

b) in der Politik?
Schicker: Ich wurde als kommunalpolitischer Neuling bei der ersten Kreistagssitzung von vielen Kolleginnen und Kollegen sehr gespannt beobachtet. Nur so viel: Ein Kollege, der schon lange im Kreistag sitzt und der nicht zur FW-Fraktion gehört, hat nach der Sitzung gesagt: „Respekt, Hubert, wie du das gemacht hast.“ Meine Antwort, natürlich nicht ganz ernst gemeint, war: Wer eine Jagdgenossenschaft leiten kann, kann das auch im Kreistag. Es gibt natürlich gewisse Strömungen im Gremium, die einem Landrat Schicker nicht jeden Erfolg gönnen. Ich hoffe nur, dass alle an einem Strang ziehen, wenn Entscheidungen zum Wohle der Bevölkerung getroffen werden. Auch wenn man dann dem Landrat eventuell einen Erfolg zugestehen müsste.

c) in der Öffentlichkeit?
Schicker: Es war beeindruckend, wie viel Bestätigung ich in den ersten Wochen bekommen habe. Wieviele Leute mir gesagt haben, dass sie mich gewählt haben. Nach den Reaktionen hätte ich bei der Wahl 99 Prozent bekommen müssen. Es hat auch ganz wenige gegeben, die gesagt haben, dass sie mich nicht gewählt haben, das aber beim nächsten Mal machen werden. Unterschätzt habe ich die Öffentlichkeitswirkung, die der Besuch eines Landrats mit sich bringt. Das ist schon toll. Da kommen dir Respekt und viel Neugierde entgegen. Da heißt es dann vielfach: ‚Unser neuer Landrat ist da.‘ Das klingt sehr gut. Denn um das ‚unser‘ geht es doch. Mit einem neuen Landrat sind natürlich auch Hoffnungen und Erwartungen verbunden. Damit kann ich aber gut umgehen. Ich bin sehr froh, dass meine Frau da mitzieht und volles Verständnis hat. Wenn wir zum Beispiel privat in einem Gasthaus essen und ich angesprochen werde, sagt sie: ‚Du bist der Landrat‘.

Hubert Schicker: „Im Landratsamt müssen sich die Bürgerinnen und Bürger willkommen fühlen.“ Foto: Udo Fürst
Hubert Schicker am Wahlabend mit Gattin Karolina. Foto: Udo Fürst

„Schulen sind immens wichtig“

Welches sind außer der Krankenhaus-Thematik die derzeit wichtigsten Aufgaben im Landkreis?
Schicker: Das ist klar das Berufsschulzentrum in Wiesau. Hier haben wir das Problem, dass wir durch die Sondersituation von Kemnath so große Steuerkraft des Landkreises aus den hohen Fördersätzen fallen. Die nicht unerheblichen Investitionskosten bleiben aber. Doch das Thema Schulen ist immens wichtig. Die Berufsschule ist viel mehr als nur Schule. Sie ist ein Schlüsselfaktor der Demografie im Landkreis. Durch die gute Ausbildung kann unsere Jugend hier bleiben und Gastschüler animieren, in den Landkreis zu ziehen. Auch die Frage über den Standort der Realschule werden wir aufgreifen. Entscheidend ist hier aber zunächst mal das pädagogische Konzept. Wir werden uns dieser Problematik zeitnah annehmen und vorausschauend denken. Abwarten und aussitzen ist der falsche Weg.

Gespräche mit Wirtschaft und Ministerien

Dann gibt es noch einige Baustellen, die uns beschäftigen. Unter anderem der demnächst beginnende Abriss des Kreisbauhofs und die damit verbundene Organisation. Es ist ja bekannt, dass das Landratsamt mit Platz nicht gerade gesegnet ist. Viele Gespräche habe ich mit Betrieben und Unternehmen geführt. Die Wirtschaft hat an meine Wahl gewisse Erwartungen geknüpft und überhaupt ist eine leistungsfähige Wirtschaft eines der entscheidenden Themen, um unseren Landkreis voranzubringen. Auch mit bestimmten Ministerien habe ich gesprochen und zum anderen die Firma Daimler Truck kontaktiert, die bekanntlich bei Eger ein großes Werk plant. Ich wollte wissen, warum sie nach Tschechien gehen, warum nicht zu uns und was wir besser machen müssen. Wie könnten wir von dem großen Kuchen Wirtschaftsraum Eger-Landkreis Tirschenreuth etwas abbekommen? Die Autobahn liegt nahe. Kann man eventuell einen Teil der Wertschöpfung in Form eines Zulieferers hierherbekommen? Das sind alles Fragen, die ich gestellt habe und die wir weiterverfolgen müssen. In erster Linie geht es bei uns um die Geschwindigkeit. Wir müssen schneller werden in Deutschland. Unser Kümmerer ist hier zwar ein Faktor, das große Problem aber ist die Bürokratie.

Fischotter bleibt ein Dauerthema

Ein großes Thema sei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Hinblick auf Gesundheitsversorgung und Rettung. „Wir haben mit dem Landkreis Wunsiedel und dem tschechischen Kreis Cheb ein europäisches Projekt angestoßen. Die Welt hört seit 1990 zum Glück nicht mehr bei uns auf. Diese Chance gilt es zu nutzen. Ein Dauerthema ist der Fischotter, da geht es nicht nur um den wirtschaftlichen Schaden. Er ist eine Riesenbedrohung für unsere Artenvielfalt. Was unsere Teichwirtschaft beim Hochwasserschutz leistet, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Wenn uns die Teichwirtschaft verloren geht, rauscht die Hochwasserwelle viel, viel schneller in Richtung Regensburg. Deshalb ist es wichtig, hier frühzeitig die zuständigen Ministerien und den Bund Naturschutz einzubinden. Wir müssen dieses Ziel gemeinsam angehen. Es macht mich wahnsinnig, dass zwar jeder die Problematik des Fischotters anerkennt, wir aber keine gemeinsame Lösung finden. Wir machen im September weiter mit konkreten Gesprächen zwischen allen Akteuren.“

Wie steht es um Ihre Insolvenz?

Schicker: Da gibt es nichts Neues. Die Klage ist immer noch nicht zugelassen. Man beschäftigt sich natürlich damit, aber es liegt nicht mehr in meiner Hand. Das macht der Insolvenzverwalter. Ich muss mich damit nicht mehr täglich auseinandersetzen.

Lieber mit der Tuba als lange Grußworte

Bleibt dem vierfachen Familienvater und passionierten Tubaspieler bei der Münchenreuther Bauernkapelle noch Zeit für Familie oder für sein großes Hobby?

Schicker: „Familie, ja. Die steht gottseidank auch voll hinter mir. Aber privat bist du als Landrat nie. Aber das belastet mich nicht. Wenn es mir die Zeit erlaubt, mache ich noch gelegentlich Musik, auch wenn meine Probenbesuche zu wünschen übrig lassen. Wenn ich bei einem Fest bin, frage ich die Leute: „Was ist euch lieber? Ein halbstündiges Grußwort oder wenn ich mit der Kapelle spiele?“ Ist klar, was die Leute lieber wollen …