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Taxi-Zentrale Weiden
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Schließung der Flüchtlingsunterkunft Camp Pitman: Ehrenamtliche nicht informiert

Weiden. Flüchtlingshelfer machen am Dienstagabend bei einem Treffen im Café Mitte ihrem Frust Luft. Sie fühlen sich schlecht informiert, was die Schließung der Gemeinschaftsunterkunft Camp Pitman angeht.

Weiden. Flüchtlingshelfer machen am Dienstagabend bei einem Treffen im Café Mitte ihrem Frust Luft. Sie fühlen sich schlecht informiert, was die Schließung der Gemeinschaftsunterkunft Camp Pitman angeht.
Die Gemeinschaftsunterkunft der Regierung der Oberpfalz in der Kasernenstraße. Die Container sind schon geräumt. Die Bundeswehr braucht ihr Grundstück selbst und will hier Unterkünfte bauen. Foto: Christine Ascherl

Schließung der Flüchtlingsunterkunft Camp Pitman: Ehrenamtliche nicht informiert

Es könne nicht geholfen werden, wenn nicht einmal klar ist, wie viele Menschen noch im Flüchtlingsheim neben der Kaserne leben. „Von der Regierung gibt es keine offizielle Information“, bedauert Stefanie Wildenrother von der Diakonie. Nach ihren Recherchen sind die zwei Containerhäuser mit je 60 Plätzen bereits geräumt. Aktuell sind noch etwa 80 Bewohner im Altbau (Haus 2) einquartiert.

Die Integrationslotsin und ihr Kollege Mehrab Zarei vom Diakonischen Werk hatten zu dem Treffen am Dienstag eingeladen. Gekommen waren ehrenamtliche Helfer sowie hauptberufliche Flüchtlingsberater, wie Roxana Gürtler, Anne Kété-Ebetina, Falk Ponsold und Juliane Wudtke.

Landtags-Grüne haben große Anfrage gestellt

Die Stadträte Reinhold Wildenauer (Freie Wähler) und Christoph Birner (SPD) hörten sich die Probleme an. Vom Abgeordnetenbüro von MdL Laura Weber informierte Mitarbeiterin Beate Luber über eine große Anfrage an den Landtag zur Schließung des Camp Pitman.

Die Anfrage stellt die Fragen der Flüchtlingshelfer: Wie ist der zeitliche Ablauf? Wohin werden die Menschen verlegt? Wie wird der Schutz vulnerabler Personen gewahrt (Alleinerziehende, Kinder, Kranke)? Und: Warum gibt es keine Information für ehrenamtliche Netzwerke? Hintergrund der Schließung ist Eigenbedarf der Bundeswehr: Neben der Kaserne sollen Unterkünfte für Hunderte neuer Rekruten geschaffen werden. Die Regierung ist nur Mieter.

Bisher gibt es von der Staatsregierung noch keine Antwort. Eingereicht wurde die Anfrage am 16. April, die Beantwortungsfrist beträgt vier Wochen. Die Grünen hatten in dieser Sache bereits eine kleine Anfrage gestellt. In der Antwort stößt man sich an der Formulierung, dass „insbesondere auch ehrenamtliche Helfer unterstützend zur Seite stehen“. „Dabei sind diese weder eingebunden noch informiert“, stellt Beate Luber fest.

An Berufschule fehlt schon ein Dutzend Schüler

Derweilen werden längst Fakten geschaffen: Said Haidar Ahmady, Mitglied des Integrationsbeirats, ist an der Europaberufsschule tätig. Aus einer Klasse fehle bereits über ein Dutzend Schüler, die unter anderem nach Regensburg und Amberg verlegt worden seien. Der Afghane, einst selbst Bewohner des Camp Pitman, bedauert den plötzlichen Weggang der Berufsschüler. Sie hätten sich mitten im Integrationsprozess befunden, beispielsweise im Sportverein oder im Sprachclub. Außerdem gibt es „drei oder vier Schüler, die jeden Tag fragen, ob sie in Weiden bleiben können“. Die Ungewissheit sei belastend.

WITRON – Nachmittag der Ausbildung
WITRON – Nachmittag der Ausbildung

Bei den hauptamtlichen Flüchtlingshelfern haben sich „weniger als 10 Personen“ gemeldet, die unbedingt in Weiden bleiben wollen. Falk Ponsold hatte einen Klienten, der nach Eslarn sollte, aber in Weiden einen Ausbildungsplatz hat. Generell sind die Hauptamtlichen aber der Meinung, dass die Ortswahl „kein Wunschkonzert“ ist: „Niemand wird auf die Straße gesetzt. Man kann auch aus einem kleinen Ort im Landkreis mit dem Bus nach Weiden fahren“, sagt eine Diakonie-Beraterin.

Ehemaliger Bewohner über die Zeit im Camp

Zu Wort kommt ein ehemaliger Bewohner. Der Afghane Ehsanullah lebte nach seiner Ankunft vor drei Jahren anfangs im Camp Pitman. „Es war gut, manchmal ein bisschen schlecht, weil sich Bewohner nicht an die Regeln hielten.“ Aber: „Wenn du nichts hast, ist das besser als nichts.“ Zudem habe man im Camp schnell Kontakt zu anderen Migranten gefunden und Hilfe bekommen.

Dennoch war er froh, als er mit Unterstützung der Diakonie-Flüchtlingsberatung eine Wohnung für sich und seine Familie fand. Aus seiner Sicht ist das der Schlüssel zur deutschen Gesellschaft: Die Familie sei zur Ruhe gekommen. Er könne sich auf das Deutsch-Lernen konzentrieren, mache aktuell eine Aus- und Weiterbildung.

Erinnerung an „furchtbare Zustände“

Der Blick geht am Dienstag auch zurück: Veit Wagner engagierte sich jahrzehntelang mit dem Ehepaar Ursula und Jost Hess für Flüchtlinge in Weiden. Er erinnert sich an „furchtbare Zustände“ im Camp Pitman, als es nur den Altbau gab. Küche und Waschräume waren heruntergekommen und mussten von zu vielen Menschen verschiedenster Nationalität genutzt werden.

2015 erfolgte die Erweiterung mit Wohncontainern, als die Zahl der Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan sprunghaft anstieg. Positiver Effekt der Flüchtlingskrise: Es entstand ein unbürokratisches Netzwerk an Familienpaten unter Regie des damaligen Integrationslotsen Manfred Weiß. Bis zu 100 Ehrenamtliche kümmerten sich um die Familien und Einzelpersonen, die Weiden zugeteilt wurden.

Corona-Zeit der Bruch

Nur etwa ein Dutzend ist übrig geblieben. Ein Grund sind die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen im Camp Pitman. Als Bruch wurde die Corona-Zeit empfunden, als überhaupt niemand mehr hinein durfte. Aktuell kommt an der Security nur vorbei, wer sich ausweist und konkret einen Bewohner benennen kann, den er besuchen will. Vorbei sind die Zeiten, als man einfach von Tür zu Tür gehen und fragen konnte, ob Bedarf an Unterstützung besteht.

Davon kann man heute träumen. Es werde auf Datenschutz verwiesen, erklärt eine hauptamtliche Flüchtlingsberaterin. Eine ehrenamtliche Familienpatin greift sich da am Dienstag an den Kopf: „Wo ist das Geheimnis? Ich will nur wissen, wie viele Leute da wohnen und wer davon Hilfe braucht. Der Datenschutz hilft diesen Leuten nicht weiter.“