Wirtschaftliche Vernunft ja, Generalverdacht nein: CSA Oberpfalz fordert Augenmaß bei der geplanten Krankengeld- und Attestreform

Wirtschaftliche Vernunft ja, Generalverdacht nein: CSA Oberpfalz fordert Augenmaß bei der geplanten Krankengeld- und Attestreform
Die Debatte um die Verschärfung der Regeln bei Krankmeldungen und Lohnfortzahlungen gleicht einem politischen Drahtseilakt. Als „soziales Gewissen“ der CSU positioniers sich die Christlich-Soziale Arbeitnehmer-Union (CSA) klar: Wirtschaftliche Stärkung und der Kampf gegen Missbrauch seien notwendig, dürften aber nicht auf dem Rücken der ehrlich kranken Beschäftigten ausgetragen werden, so die CSA in einer Pressemeldung. Für den CSA-Bezirksverband Oberpfalz stellt der Bezirksvorsitzende Armin Bulenda klar, dass die Reform praxistauglich bleiben muss und keinen Keil zwischen Betrieben und Arbeitnehmern treiben darf.
CSA Oberpfalz zur Krankengeld- und Attestreform
„Wir tragen den Kurs zur wirtschaftlichen Stärkung und für mehr Verbindlichkeit im Sozialsystem grundsätzlich mit“, erklärt Armin Bulenda. „Aber in unserer Brust schlagen zwei Herzen: Das für den Schutz unserer mittelständischen Wirtschaft und das für die Rechte der Arbeitnehmer. Höhere Hürden dürfen nicht in Schikane ausarten.“
Ursachenforschung statt Pauschalkritik: Sind Deutschlands Fachkräfte überlastet?
Aus Sicht des CSA-Bezirksvorsitzenden greift die aktuelle politische Debatte ohnehin viel zu kurz, wenn sie den hohen Krankenstand fast ausschließlich unter dem Aspekt des Missbrauchs diskutiert. Bulenda wirft hierzu eine zentrale Frage in den Raum:
„Wir müssen uns doch ehrlich fragen, was die wahren Ursachen für die gestiegenen Krankheitszahlen sind. Sind Deutschlands Fachkräfte schlicht am Limit und überlastet? Die Arbeitswelt ist in den letzten Jahren rasant komplexer und verdichteter geworden. Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten unaufhörlich, wodurch das nötige Arbeitsvolumen je Familie immer weiter nach oben geschraubt wird. Wenn in einem Haushalt beide Partner bis zum Anschlag arbeiten müssen, um den Lebensunterhalt zu sichern, und parallel die Anforderungen im Job steigen, bleibt das psychisch wie physisch nicht ohne Folgen. Wer nur über Blaumacher schimpft, ignoriert die reale Überlastung in vielen Familien und Betrieben.“
Mittelstand entlasten, aber ländlichen Raum nicht abhängen
Dennoch verschließt die Oberpfälzer CSA nicht die Augen vor den Sorgen der Wirtschaft. Viele kleine und mittlere Unternehmen sowie Handwerksbetriebe ächzen unter den Kosten der Fehlzeiten. Das Aus für die telefonische Krankschreibung und eine Rückkehr zu den strengeren Regeln der Vor-Corona-Zeit sieht die CSA daher als verständliches Signal an die Wirtschaft.
Gleichzeitig warnt Bulenda vor bürokratischen Praxisproblemen, die vor allem den ländlichen Raum hart treffen könnten:
„Wenn Beschäftigte in der Oberpfalz wegen jedes kleinen Infekts kilometerweit zum nächsten Hausarzt fahren müssen, nur um ab Tag eins ein Attest vorzulegen, sorgt das für massiven Unmut. Das verstopft die Wartezimmer und belastet die Menschen ohne Not. Wir plädieren daher für flexible Ausnahmeregelungen im Gesetz, damit Betriebe und Beschäftigte vor Ort – beispielsweise über Betriebsvereinbarungen – eigenständige, pragmatische Lösungen finden können.“
Fairness für die arbeitende Mitte – Missbrauch stoppen
Für die CSA ist klar, dass das System der Lohnfortzahlung nur funktionieren kann, wenn Missbrauch keine Chance hat. Dass Gefälligkeitsatteste künftig schärfer geahndet werden sollen, wird daher ausdrücklich mitgetragen. Dies sei auch eine Frage der Fairness gegenüber den Kolleginnen und Kollegen im Betrieb, die sonst die Arbeit der Blaumacher mit auffangen müssten.
Allerdings warnt die CSA eindringlich davor, Arbeitnehmer unter Generalverdacht zu stellen. Eine Verschärfung der Attestpflicht ab Tag eins birgt zudem die Gefahr, die Arztpraxen völlig zu überlasten. Darunter würden am Ende chronisch oder schwer kranke Beschäftigte leiden, die keinen schnellen Termin mehr bekommen.
Viel zielführender bewertet der Arbeitnehmerflügel daher ein anderes Projekt der laufenden Gesundheitsreform: die geplante Einführung einer Teilarbeitsunfähigkeit (Teilzeit-Krankschreibung). Diese bietet eine echte Chance für einen sanften, schrittweisen Wiedereinstieg in den Beruf. Die CSA Oberpfalz unterstreicht hierbei jedoch, dass alles strikt freiwillig und medizinisch begründet bleiben muss – Druck durch Arbeitgeber darf es nicht geben.
Fazit: Wirtschaftliche Vernunft mit sozialem Kompass
Für Armin Bulenda steht fest: Die CSA Oberpfalz wird hinter den Kulissen penibel darauf achten, dass der Arbeitnehmerschutz bei dieser Reform gewahrt bleibt.
„Wir verteidigen den Kern der Reform als Beitrag zur wirtschaftlichen Vernunft und gegen Missbrauch. Aber wir passen im Gesetzgebungsverfahren auf, dass die Verschärfungen nicht in Schikane gegen ehrlich kranke Beschäftigte ausarten. Ehrliche Krankheit ist kein Verbrechen, und der Schutz der Gesundheit bleibt unser oberstes Gebot“, so Bulenda abschließend.
Über die CSA
Die Christlich-Soziale Arbeitnehmer-Union (CSA) ist der Arbeitnehmerflügel der CSU und vertritt die Interessen von Beschäftigten, Rentnern und Familien innerhalb und außerhalb der Partei. Der Bezirksverband Oberpfalz setzt sich besonders für die Belange der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Region ein.
Wenn Du OberpfalzECHO als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Dich auf.
Füge jetzt OberpfalzECHO Deinen Quellen hinzu!




