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ARV Oberpfalz
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Neustart bei den Kliniken Nordoberpfalz – Neuer Vorstand verspricht schwarze Zahlen

Weiden. Es klingt ein wenig wie die Hochzeit zu Kana, wenn Jesus Wasser in Wein verwandelt. Seit Mitte April ist Ralph Junghans (36) Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG. Die Kliniken schreiben Verluste in Millionenhöhe. Der neue Chef will das ändern.

Weiden. Es klingt ein wenig wie die Hochzeit zu Kana, wenn Jesus Wasser in Wein verwandelt. Seit Mitte April ist Ralph Junghans (36) Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG. Die Kliniken schreiben Verluste in Millionenhöhe. Der neue Chef will das ändern.
Klinikdirektor Tim Egger (links) und Klinikvorstand Ralph Junghans. Foto: Christine Ascherl

Neustart bei den Kliniken Nordoberpfalz – Neuer Vorstand verspricht schwarze Zahlen

In einer Pressekonferenz am Montag kündigt der Klinikvorstand an, den Betrieb „schnellstmöglich“ ohne Defizit führen zu wollen. „Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass am Ende etwas übrig bleibt.“

Zuletzt bilanziell ein positives Ergebnis

2025 verzeichneten die Kliniken einen Verlust von sieben Millionen Euro, auch wenn bilanziell ein positives Ergebnis von 800.000 Euro ausgewiesen wurde. Dies war der Auflösung von sieben Millionen Euro an Rückstellungen geschuldet. Für 2026 sind acht Millionen Euro an Defizit eingeplant, wobei das zweite Halbjahr schon besser ausfallen soll als das erste. „Unser Ziel ist es, besser zu sein als die Prognose.“

Die „Heilsbringer“ sind jung und selbstbewusst: Vorstand Ralph Junghans stellt auch seinen neuen Klinikdirektor Tim Egger (37) vor. Der zweite Klinikdirektor, Stephan Schuhmacher (41), fehlt am Montag krankheitsbedingt. Seit Juni 2026 ist das Trio komplett. Der Vogtländer Junghans lebt mit seiner Partnerin und einem einjährigen Sohn in Plauen und pendelt. Der Allgäuer Egger hat seinen Wohnsitz von München nach Weiden verlegt. Schuhmacher ist schon seit 2022 bei den Kliniken Nordoberpfalz, erst stammt aus Usedom.

Beide kommen von Helios

Junghans und Egger kommen aus dem gleichen Stall: ausgebildet bei Helios, Europas größtem Krankenhaus-Betreiber. „Wir kommen ja nicht von Edeka oder Toom.“ Junghans heuerte dort 2016 direkt nach dem Studium an: „Ich wollte von den Besten lernen.“

2019 wurde Junghans mit 29 Jahren als einer der jüngsten Geschäftsführer eines Schwerpunktversorgers eingesetzt: des Helios-Vogtland-Klinikums Plauen. Das Akutkrankenhaus mit 1.400 Mitarbeitern sei profitabel gemacht worden – und zugleich um 150 Mitarbeiter aufgebaut. Der gleichaltrige Egger führte zuletzt die Schön-Klinik in München-Harlaching aus der Krise: „von einem Millionen-Fehlbetrag zu einem Millionen-Überschuss in zweistelliger Höhe.“

Mitarbeiter statt Berater

Wie sie das in Weiden, Kemnath und Tirschenreuth machen wollen? „Nicht mit dem Rotstift der Berater“, verspricht Vorstand Junghans. Es soll nicht an Personal gespart werden, allenfalls an Sachkosten. Man wolle Potenziale heben, Ressourcen optimal ausnutzen. Die neue Klinikleitung baue auf die hohe Kompetenz der Mitarbeiter. Er will „den Menschen zuhören“. Die Leute, die vor Ort arbeiten, hätten oft die besten Lösungen.

Pflege Oberpfalz
Pflege Oberpfalz

Zur Erinnerung: 2019 waren die Kliniken Nordoberpfalz in eine Existenzkrise geraten. Die Gesellschafter (Stadt Weiden, Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth) retteten den Verbund mit 52 Millionen Euro und engagierten die Firma Oberender mit der Restrukturierung. Die Rolle der Unternehmensberatung war umstritten. ver.di kritisierte hohe Honorare bei gleichzeitigem Personalabbau. Bis April 2026 stand mit Klinikvorstand Michael Hoffmann ein Ex-Oberender-Berater an der Spitze.

„Wir sind gekommen, um zu bleiben“

Der neue Klinikvorstand will „die Vergangenheit nicht beurteilen“. Sein einziger Berührungspunkt stammt aus seinem Studium der Gesundheitsökonomie in Bayreuth – mit Prof. Peter Oberender als Dozent. Dessen Merksatz „Handeln und Haften muss in einer Hand sein“ will er bei der Führung der Kliniken Nordoberpfalz beherzigen: „Wir übernehmen Verantwortung. Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

Die Standorte Weiden, Kemnath und Tirschenreuth sollen erhalten bleiben. Von Erbendorf wird man sich bekanntermaßen schon aus baulichen Gründen verabschieden. Ein Schwerpunkt wird die standortübergreifende Zusammenarbeit sein, in der viel Potenzial gesehen wird. Bei (zunächst) gleichem Personal sollen mehr Eingriffe durchgeführt werden. Beide Klinikdirektoren sind – anders als bisher – standortübergreifend zuständig.

Privatisierung: „Diese Sorge braucht niemand haben“

Die kommunale Struktur sehe man nicht als Nachteil, sagt Egger auf Nachfrage. Man kenne die Sorge vor einer Privatisierung. „Diese Sorge braucht niemand haben.“ Die kommunalen Gesellschafter seien von Vorteil, weil sie Entscheidungsprozesse schnell und effektiv machen. Zudem sei der Antrieb der Träger allein die medizinische Versorgung ihrer Bürger: „Ihnen geht es um die Region.“ Diese intrinsische Motivation teile man.

Intrinsisch. Sprich: aus Überzeugung. Das Wort fällt mehrmals. Junghans‘ Eltern sind beide Ärzte. Am Abendbrottisch seien nicht nur der medizinische Alltag, sondern auch Sorgen und Probleme aller Art thematisiert worden. Er habe dabei gelernt, dass man „auf Station“ mehr lerne als aus Excel-Tabellen. Schon mit 18 Jahren sei sein Berufswunsch gewesen, Geschäftsführer eines Krankenhauses zu werden, von dem seine Eltern sagen würden: „Mit dem kannst du gut zusammenarbeiten.“

Kliniken Nordoberpfalz
Klinik-Sprecher Friedrich Peterhans (links) stellt die neue Führung vor: in der Mitte der neue Vorstand Ralph Junghans, rechts einer der Klinikdirektoren, Tim Egger. Foto: Christine Ascherl