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Jahn in Liga 3: Gegen Ingolstadt wieder ein Blackout zum Rückrundenstart

Regensburg. Die Vorzeichen stimmen optimistisch: starker Schlussspurt in der Vorrunde, eine ordentliche Punkteausbeute in den vergangenen zehn Spielen, ein engagiertes 2:2 beim Tabellenführer Cottbus nach 0:2-Rückstand – und eine gelungene Vorbereitung. Im eisigen Flutlichtspiel gegen den FC Ingolstadt zerlegt sich der SSV Jahn Regensburg dann jedoch in einem vogelwilden Rückrundenauftakt selbst.

Jahn in Liga 3: Gegen Ingolstadt wieder ein Blackout zum Rückrundenstart

Das Schanzer-Treffer-Trio: Gegen Ingolstadt steht für den SSV Jahn am Ende ein Satz mit X. Foto: jrh

Im eisigen Flutlichtspiel gegen den FC Ingolstadt zerlegt sich der SSV Jahn Regensburg dann jedoch in einem vogelwilden Rückrundenauftakt selbst. Nicht nur die Ergebnisse passen zuletzt beim Jahn: Ein 2:0 im Test gegen die SpVgg Greuther Fürth – jene Fürther, die zuvor Ligaschlusslicht Schweinfurt mit 5:0 abgefertigt hatten – untermauert den positiven Trend.

Der Derby-Gast aus Oberbayern reist hingegen mit der schwächsten Drittliga-Vorrunde der Vereinsgeschichte an. Alles spricht für die Oberpfälzer. Theoretisch.

Theorie und Praxis klaffen auseinander.

Was den Jahn zuletzt stark macht – Klarheit im Spielaufbau, Aggressivität gegen den Ball, einfache Lösungen –, fehlt ausgerechnet zum Rückrundenstart fast vollständig. Statt zielstrebig nach vorne zu spielen, operiert Regensburg wiederholt mit riskanten Pässen im eigenen Strafraum. Ingolstadt sagt artig Danke.

Nach einer Standardsituation fällt die Führung für die Gäste: Ein Freistoß aus dem Halbfeld segelt in den Strafraum, Julian Kübel steigt völlig frei hoch und köpft präzise zum 0:1 ein (20.). Nur drei Minuten später folgt der nächste Nackenschlag: Jahn-Keeper Felix Gebhardt eröffnet kurz, Nick Seidel verdaddelt das Zuspiel an der Strafraumkante – Pingpong, Abschluss, 0:2 (23.).

Aus den Hoffnungen des Cottbus-Mutmachers wird binnen Minuten Ernüchterung. Statt eines erwarteten Sturmlaufs wackelt der Jahn nach der Pause zunächst noch mehr. In den ersten zehn Minuten der zweiten Hälfte lädt Regensburg den Gegner mehrfach ein, doch der FCI lässt mehrere Großchancen liegen. Erst ab Mitte der zweiten Halbzeit stabilisieren sich die Hausherren etwas, kommen besser ins Gegenpressing, bleiben im hektischen Spielaufbau aber erstaunlich harmlos. In der Nachspielzeit macht Ingolstadt schließlich den Deckel drauf: Joker „Cello“ Malone schiebt nach Konter zum 0:3 ein (90.+3).

Auch Christian Kühlwetter, Torgarant der vergangenen Spiele, bleibt heute glücklos: Gegen Ingolstadt steht für den SSV Jahn am Ende ein Satz mit X. Foto: jrh

Erst kein Glück, dann kommt der Schlendrian dazu

Der Jahn ist in der Anfangsphase durchaus präsent, kommt früh zu Standards und ersten Annäherungen. Bereits nach sechs Minuten wird es erstmals brenzlig im Regensburger Strafraum, als Dennis Kaygin rechts durchbricht und Julian Kügel bedient, dessen Abschluss geblockt wird. Auf der Gegenseite bleibt Regensburg vor allem nach Ecken gefährlich: Nach einer Bogenlampe fällt der Ball Leopold Wurm vor die Füße, doch Jonas Scholz wirft sich in höchster Not dazwischen (30.). Kurz zuvor scheitert Debütant John Xaver Posselt aus spitzem Winkel an Fabijan Eisele (29.).

OTH Amberg-Weiden
OTH Amberg-Weiden

Dann kippt das Spiel innerhalb weniger Minuten. Ein Freistoß aus dem rechten Halbfeld findet den völlig freien Jonas Scholz, der unbedrängt ins rechte Eck einköpft – das 0:1 aus Regensburger Sicht (20.). Der Jahn wirkt kurz geschockt, bleibt aber zunächst im Spiel. Doch nur drei Minuten später folgt der nächste Nackenschlag: Felix Gebhardt eröffnet kurz, Nick Seidel verschätzt sich an der Strafraumkante, Marcel Costly erobert den Ball, zieht bis zur Grundlinie und legt halbhoch zurück. Julian Kügel muss aus kurzer Distanz nur noch einschieben – 0:2 (23.).

Bis zur Pause müht sich Regensburg um Struktur, bleibt aber im letzten Drittel zu unklar. Ein Freistoß aus aussichtsreicher Position sowie ein Distanzversuch von Noel Eichinger bleiben ohne Ertrag. Ingolstadt hingegen lauert und presst situativ früh.

Der Jahn am Hosenboden, Ex-Regensburger Max Besuschkow oben auf: Gegen Ingolstadt steht für den SSV Jahn am Ende ein Satz mit X. Foto: jrh

Vogelwild nach Wiederanpfiff

Nach dem Seitenwechsel kommt der FCI deutlich schwungvoller aus der Kabine. Costly sorgt mit Tempo über die Außen immer wieder für Unruhe. Gleich mehrfach hat Ingolstadt die Chance, früh alles klarzumachen: Erst verzieht erneut Kügel nach einer butterweichen Hereingabe aus zehn Metern (50.), später scheitert Costly selbst am mitgelaufenen Wurm, der in letzter Sekunde blockt (54.). Regensburg übersteht diese Phase mit Glück.

Zwischen Minute 55 und 70 zeigt der Jahn dann endlich jene Aggressivität, die Trainer Michael Wimmer später lobt. Lucas Hermes und Christian Kühlwetter bringen etwas mehr Zug ins Spiel, Noel Eichinger zwingt Kai Eisele mit einem Schlenzer aus halblinker Position zu einer Glanzparade (83.). Kurz zuvor setzt Eric Hottmann einen Abschluss aus 16 Metern direkt auf den Keeper, nachdem Adrian Fein ihn stark freigespielt hat (80.).

Benedikt Bauer nach fünfter Gelber in Duisburg gesperrt: Gegen Ingolstadt steht für den SSV Jahn am Ende ein Satz mit X. Foto: jrh

Kopfloses Anrennen

Doch echte Durchschlagskraft bleibt Fehlanzeige. Regensburg versucht es in der Schlussphase zunehmend mit langen Bällen, Ingolstadt verteidigt kompakt, zieht Fouls und Zeit von der Uhr. In der Nachspielzeit fällt schließlich die endgültige Entscheidung.

Gustav Christensen gewinnt hoch den Ball, spielt auf links zu Marcel Costly, der sich im Strafraum durchsetzt, Schönfelder aussteigen lässt und aus fünf Metern einschiebt – das 0:3 (90.). Kurz darauf ist Schluss. Der Ingolstädter Auswärtsdreier brennt nicht mehr an.

Michi Wimmer kann nach den Fehlern zu den Gegentoren nicht mehr hinschauen: Gegen Ingolstadt steht für den SSV Jahn am Ende ein Satz mit X. Foto: jrh

Wimmer: „Knallhart um den Klassenerhalt“

Jahn-Trainer Michael Wimmer: „Wir haben in der ersten Halbzeit nicht das gemacht, was wir machen wollten. Wie wir aufgetreten sind – von der Leidenschaft, vom Zweikampfverhalten, vom Engagement her –, das war nicht ausreichend. Vielleicht ein wenig der guten Vorbereitung geschuldet, zu glauben, dass alles von selbst geht. Und dann schießen wir uns die zwei Tore ja selber.

Statt dass wir das machen, was uns stark macht, spielen wir um den eigenen Strafraum herum, dann passiert ein Fehler und es fällt das 0:2. Wir haben vorher schon zwei Abstöße, wo wir uns so ein wenig in die Bredouille bringen. Dann spielen wir den dritten wieder kurz, aus dem fällt dann das 0:1. Das ist naiv, das müssen wir schnellstmöglich wieder abstellen, weil sonst dauert’s erneut ein Zeitl. Kurz nach der Halbzeit hatten wir eine Phase, in der wir nervös geworden sind, in der nichts mehr gepasst hat. Das zeigt, dass wir noch nicht so stabil sind. Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass wir zum Ende der Vorrunde gut waren, dass wir eine ordentliche Vorrunde gespielt haben. Jetzt haben wir eine bisschen beschissene erste Halbzeit gespielt, deshalb ist noch nicht alles schlecht.

Zwischen Minute 55 und 70 habe ich zumindest das gesehen, was ich in so einem Spiel auch erwarte – mit der Brisanz, mit der Tabellensituation. Da waren wir da, da waren wir im Gegenpressing, da waren wir aggressiv. Aber klar: mit der Brechstange funktioniert es dann auch nicht. Es war ein gebrauchter Tag, aus dem müssen wir lernen. Es geht knallhart um den Klassenerhalt, so müssen wir Fußball spielen.“

Auch Techniktalent Noel Eichinger gelingt heute wenig: Gegen Ingolstadt steht für den SSV Jahn am Ende ein Satz mit X. Foto: jrh

Eichinger: „Es muss mehr Leistung kommen“

Noel Eichinger: „Der Tenor – auch vom Vorsänger in der Kurve – war klar: Es muss einfach mehr Leistung von uns kommen. Mit dem Spiel war keiner zufrieden, das konnte man sehen, und das wurde auch klar angesprochen. Jetzt geht es darum, dass wir es auch umsetzen, um besser zu spielen und mehr Punkte zu holen.

Es gibt so Tage, an denen viel zusammenkommt: zu viele Fehler, nicht konsequent genug – dann ist es bitter, dass es am Ende so ausgeht. Wir waren eigentlich voll fokussiert und gut vorbereitet. Aber es ist schwer, wenn man früh 0:2 hintenliegt und dann vielleicht auch zu viel will. Da hat uns die Klarheit gefehlt. Jeder von uns weiß, dass wir es besser machen müssen.“

Sabrina Wittmann hat gut lachen: Gegen Ingolstadt steht für den SSV Jahn am Ende ein Satz mit X. Foto: jrh

Wittmann: „Maximal verdient gewonnen“

FCI-Trainerin Sabrina Wittmann: „Wir haben ein Derby gewonnen – relativ klar. Es war zunächst ein ausgeglichenes Spiel, die Regensburger hatten die erste Chance nach der Ecke. Aber auch wenn wir nicht die meiste Zeit den Ball hatten, gibt es heute keine zwei Meinungen, dass wir das Spiel maximal verdient gewonnen haben. Man sieht, wie sich die Jungs den Ball gekrallt haben, wie sie das Tor verteidigt haben – von der Nummer eins bis elf, und auch die draußen.

Letztes Jahr haben wir oft darüber gesprochen, dass wir gut drin waren, uns aber nicht belohnt haben. Heute haben wir dieses 2:0 gemacht, das uns oft gefehlt hat. Wir hatten auch Phasen, wo wir klar das 3:0 machen müssen. Umso schöner, dass wir es am Ende noch gemacht haben, dass wir nicht zittern mussten. Es war eine Steigerung. Der Lehrgang hat viel abverlangt – trotzdem werde ich ein wenig traurig sein, weil ich es sehr genossen habe.“

An leidenschaftlichem Einsatz lassen es beide Teams nicht missen: Gegen Ingolstadt steht für den SSV Jahn am Ende ein Satz mit X. Foto: jrh

Kübel: „Frühe Führung extrem wichtig“

FCI-Torschütze Julian Kübel: „Ich bin sehr glücklich, dass wir das Oberbayern-Duell für uns entschieden haben. Es war extrem wichtig, dass wir relativ früh – nach 20 Minuten – das 1:0 gemacht und wenig später nachgelegt haben. Danach wurde es etwas einfacher. Das letzte Kalenderjahr war für mich nicht so erfolgreich, zumal es mit einer Roten Karte zu Ende ging. Umso mehr freue ich mich, dass das neue Jahr so gut begonnen hat.

Das Spiel hat uns extrem viel bedeutet – für den Verein, für die Fans, für Ingolstadt. 2:0 ist immer ein gefährliches Ergebnis. Wenn du ein dreckiges Gegentor bekommst, kann es noch einmal eng werden. Zum Schluss war ich ziemlich im Arsch, deshalb war ich sehr froh, dass der Cello den Deckel draufgemacht hat. Gott sei Dank haben wir die Tore gemacht und zu null gespielt.“

Sport-Geschäftsführer Dietmar Beiersdorfer stärkt seiner Trainerin jetzt erst recht den Rücken: Gegen Ingolstadt steht für den SSV Jahn am Ende ein Satz mit X. Foto: jrh
Die verflixte Rückrunde geht schon mal wieder gut los: Gegen Ingolstadt steht für den SSV Jahn am Ende ein Satz mit X. Foto: jrh
Die verflixte Rückrunde geht schon mal wieder gut los: Gegen Ingolstadt steht für den SSV Jahn am Ende ein Satz mit X. Foto: jrh
Die verflixte Rückrunde geht schon mal wieder gut los: Gegen Ingolstadt steht für den SSV Jahn am Ende ein Satz mit X. Foto: jrh

Lage & Ausblick

Der Jahn rutscht nach dem Fehlstart wieder etwas tiefer in den Tabellenkeller – nur drei Punkte Abstand auf den ersten Abstiegsplatz 17 (Alemannia Aachen, 21 Punkte) – und verspielt den Schwung der starken Vorrundenphase. Die Defensive wirkt erneut anfällig, die Fehlerquote im Spielaufbau bleibt ein strukturelles Problem. Positiv: In der Phase zwischen Minute 55 und 70 zeigt die Mannschaft, dass Intensität und Aggressivität grundsätzlich abrufbar sind.

Jetzt warten zwei richtungsweisende Auswärtsspiele. Zunächst geht es zum MSV Duisburg, wo der Jahn gegen einen direkten Konkurrenten dringend punkten muss. Eine Woche später folgt das Gastspiel bei Aufsteiger Schweinfurt – ein Spiel, in dem Einsatz, Klarheit und Fehlervermeidung Pflicht sind. Der Klassenerhalt entscheidet sich nicht an einem Abend, aber solche Blackouts kann sich Regensburg kaum noch leisten.