30 Jahre Hemingway: Vom Wagnis zur Weidener Institution
30 Jahre Hemingway: Vom Wagnis zur Weidener Institution
Wer heute das Hemingway in der Regensburger Straße betritt, kann sich kaum vorstellen, was hier einmal stand. Wo sich heute Gäste zum Essen, Feiern oder Bowling treffen, befand sich einst eine Holzgroßhandlung. Eine eher unscheinbare Halle, ein Grundstück – und die Idee eines Unternehmers, der zunächst eigentlich etwas ganz anderes vorhatte.
1996 startete das Hemingway
Albert Bauer kaufte das Gebäude samt Grundstück 1992. Sein ursprünglicher Plan war klassisch: Im Erdgeschoss sollte ein Supermarkt einziehen, darüber eine Gaststätte. Doch der passende Betreiber für den Markt konnte nicht gefunden werden. Was zunächst wie ein Problem aussah, erwies sich rückblickend als Glücksfall. Bauer änderte seine Pläne – und machte aus der Lagerhalle etwas, das es in Weiden und der Region zu dieser Zeit kaum gab.
1996 öffnete das Hemingway seine Türen. Das Konzept war ungewöhnlich: Musikcafé, Billardsaal und Diskothek unter einem Dach, verbunden durch einen Zugang, sodass die Gäste zwischen den verschiedenen Bereichen wechseln konnten, ohne das Gebäude verlassen zu müssen. Auch der Name war bewusst gewählt. „Ernest Hemingway hat das Leben geliebt und in vollen Zügen genossen“, erzählt Albert Bauer. Genau dieses Lebensgefühl sollte sich auch im neuen Lokal widerspiegeln. Was als mutiges Experiment begann, entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der Weidener Gastronomieszene. Doch von Anfang an war klar: Wer bestehen will, darf nicht stehen bleiben.
Stillstand war nie eine Option
„Bei uns gab es nie Stillstand. Du musst immer mit der Zeit gehen“, sagt Albert Bauer. Ein Satz, der sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Hemingway zieht. Immer wieder wurde umgebaut, erweitert und neu gedacht. Aus dem ursprünglichen Billardsaal wurde eine Spielothek. In einem Anbau entstand ein neuer Billardbereich. Außerdem richtete die Familie ein Internetcafé ein. Das Hemingway führte als erstes Restaurant in Weiden eine Frühstückskarte ein, vergrößerte die Küche, schuf ein Kaminzimmer und gestaltete die Terrasse neu.
2007 kam ein weiterer großer Schritt: Die Bowling-Lounge mit acht Bahnen wurde eröffnet. Drei Jahre später folgte eine grundlegende Veränderung. Eine neue Theke und ein renovierter Hauptbereich markierten den Wandel vom ursprünglichen Musikcafé hin zu dem Konzept, das die Gäste heute kennen: Café, Bar und Restaurant Hemingway. Doch auch damit war die Entwicklung nicht abgeschlossen. Küche, Terrasse, Stüberl und Gasträume wurden immer wieder modernisiert. 2015 bekam schließlich auch der Namensgeber selbst seinen großen Auftritt. Zitate, Bilder und das Konterfei Ernest Hemingways hielten Einzug in die verschiedenen Bereiche des Lokals. 2017 wurde die Küche erneut erweitert. Herzstück wurde eine Front-Cooking-Pizzastation, an der italienische Pizzabäcker ihre Spezialitäten frisch vor den Augen der Gäste zubereiten.
Vom Restaurant zur Veranstaltungsadresse
Mit den Jahren veränderte sich nicht nur das Hemingway selbst, sondern auch die Möglichkeiten, die das Haus seinen Gästen bietet. Innen wie außen entstanden Spielecken für Kinder. 2018 kam ein Lieferdienst hinzu. Durch die verschiedenen Umbauten und Raumkonzepte entstanden zudem Bereiche, die sich für unterschiedlichste Veranstaltungen nutzen lassen. „Unser ‚Ernest‘ ist für Familienfeiern jeglicher Art geeignet“, erzählt Tochter Susanne Bauer, die das Geschäft mittlerweile zusammen mit ihrer Schwester Alexandra von den Eltern übernommen hat. Auch Fußballfans kommen auf ihre Kosten: Bundesliga, Champions League und andere wichtige Spiele werden regelmäßig übertragen.
Der Raum lässt sich zudem für Schulungen und Veranstaltungen nutzen. Beamer und Leinwand sind vorhanden. Auch das abtrennbare Kaminzimmer bietet Platz für kleinere Gesellschaften und unterschiedliche Veranstaltungsformate. Und wer in der Bowling-Lounge nicht nur ein paar Strikes werfen, sondern dabei auch etwas essen möchte, kann verschiedene Buffetangebote nutzen. So ist aus der einstigen Kombination aus Musikcafé, Billard und Diskothek über die Jahre ein vielseitiger Gastronomiebetrieb geworden, der Essen, Unterhaltung, Sport und Veranstaltungen miteinander verbindet.
Eine Familie, die kaum Feierabend kannte
Hinter dieser Entwicklung stehen Menschen, die über Jahrzehnte einen erheblichen Teil ihres Lebens dem Hemingway gewidmet haben. Albert und seine Frau Christiane Bauer erinnern sich an die Anfangsjahre mit gemischten Gefühlen. „Es war keine leichte Zeit. Wir hatten nie Urlaub und kaum Freizeit“, sagt Christiane Bauer. Gleichzeitig sei es ihrem Mann trotz der langen Arbeitstage wichtig gewesen, Zeit für die Familie und seine fünf Töchter zu haben. Albert Bauer nickt. „Auch wenn es manchmal hart war: Wir haben den Schritt in die Vollgastronomie nie bereut.“
Was damals als unternehmerisches Wagnis begann, wurde zu einem echten Familienprojekt. Und genau das ist es bis heute geblieben. Denn während sich Albert und Christiane Bauer inzwischen aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen haben, steht die nächste Generation längst bereit. Die Töchter Susanne und Alexandra Bauer führen den Betrieb weiter – mit eigenen Vorstellungen, neuen Ideen und gleichzeitig großem Respekt vor dem, was ihre Eltern aufgebaut haben. Damit geht die Geschichte des Hemingway in die nächste Runde. Und vielleicht liegt genau darin das eigentliche Erfolgsrezept dieses ungewöhnlichen Hauses: Es hat sich immer wieder verändert, ohne seine wichtigste Konstante aufzugeben – die Familie und die Menschen, die das Hemingway mit Leben füllen.
Den Namen Hemingway habe ich gewählt, weil die Schriftstellerlegende Ernest Hemingway das Leben geliebt und in vollen Zügen genossen hat, so wie man das Leben auch bei uns genießen kann.
Albert Bauer, Gründer und Inhaber des Hemingway.
Lange Tage, wenig Freizeit, viele Menschen
„Entweder man liebt die Gastronomie – oder man lässt die Finger davon“, sagt Susanne Bauer. Die beiden Schwestern sind mit dem Hemingway groß geworden. Schon als Kinder und später als Jugendliche waren sie im elterlichen Betrieb mittendrin, halfen mit, packten an und bekamen früh mit, was Gastronomie tatsächlich bedeutet: lange Tage, wenig Freizeit, viele Menschen und eine große Menge an Verantwortung. Aus dem frühen Mithelfen wurde Leidenschaft. Und später die bewusste Entscheidung, das Lebenswerk der Eltern weiterzuführen. „Wir sind dankbar und stolz, den elterlichen Betrieb weiterzuführen und ein Stück Familiengeschichte weiterleben zu dürfen“, sagt Susanne.
Für die Schwestern bedeutet das nicht, alles so zu machen wie früher. Vielmehr wollen sie die Tradition bewahren und gleichzeitig eigene Ideen einbringen. Auch beruflich haben beide unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Susanne absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und lernte anschließend Bankkauffrau. Der Gastronomie blieb sie dennoch verbunden: Es folgte eine Ausbildung zur Köchin, zuletzt machte sie ihre Küchenmeisterin. Bereits 2011 stieg sie in den elterlichen Betrieb ein und übernahm Schritt für Schritt mehr Verantwortung.
Verschiedene Generationen, Berufe und Talente
Alexandra schlug zunächst einen vollkommen anderen Weg ein. Sie studierte Jura und arbeitet bis heute als Rechtsanwältin. Die Verbindung zur Gastronomie blieb jedoch bestehen. 2022 stieg auch sie in das Familienunternehmen ein und bringt seitdem ihre beruflichen Erfahrungen und neue Perspektiven ein. Zwei unterschiedliche Lebensläufe, ein gemeinsames Ziel: das Hemingway erfolgreich in die Zukunft zu führen.
Unterstützt werden die Schwestern von ihren Partnern. Christoph Forster, Susannes Mann, kümmert sich insbesondere um die Bowling-Lounge und das Monkey, das er gemeinsam mit Susanne betreibt. Alexandras Partner, ein gebürtiger Sarde, ist für die Pizzastation verantwortlich und sorgt dort für italienisches Flair und handwerkliches Können. So ist das Hemingway längst mehr als ein Familienbetrieb im klassischen Sinne. Es ist ein Unternehmen, in dem verschiedene Generationen, Berufe und Talente zusammenkommen.
80 Menschen halten den Betrieb am Laufen
Hinter den Kulissen des Hemingway arbeiten heute rund 80 Frauen und Männer. Etwa die Hälfte ist fest angestellt, die andere Hälfte unterstützt das Unternehmen als Aushilfe. Viele Mitarbeiter sind dem Betrieb seit Jahren verbunden. Für die Familie ist diese Verbundenheit ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur. Denn in der Gastronomie entscheidet nicht allein die Speisekarte darüber, ob sich Gäste wohlfühlen. Es sind die Menschen, die sie begrüßen, bedienen, beraten, ihnen das Essen bringen oder dafür sorgen, dass man zufrieden nach Hause geht.
„Schließlich verbringt man miteinander fast genauso viel Zeit wie mit der eigenen Familie“, sagt Susanne Bauer. Deshalb sei es der Familie wichtig, dass die Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen und sich im Hemingway wohlfühlen. „Das Team ist für uns ein ganz wichtiger Teil des Erfolgs. Am Ende sind es die Menschen, die den Laden mit Leben füllen, unsere Gäste begeistern und dafür sorgen, dass man einfach gerne wiederkommt.“ Vielleicht erklärt das auch, warum viele Beschäftigte dem Unternehmen über Jahre die Treue halten. In einer Branche, die häufig von wechselndem Personal geprägt ist, ist eine solche Kontinuität keineswegs selbstverständlich.
Das Team ist für uns ein ganz wichtiger Teil des Erfolgs.
Susanne Bauer, Geschäftsführerin des Hemingway
30 Jahre Hemingway – Zeit, Danke zu sagen
Jetzt wird gefeiert. Zum 30. Geburtstag laden die Familien Bauer und Forster vom 8. bis 13. September zu einer Festwoche ein (siehe Kasten unten). Dabei geht es nicht nur um ein Jubiläum, sondern auch um einen Rückblick auf drei Jahrzehnte Weidener Gastronomiegeschichte. Auf lange Nächte und frühe Morgenstunden, auf unzählige Umbauten und neue Ideen, auf volle Räume, treue Stammgäste und Mitarbeiter, die über Jahre zu einem festen Bestandteil des Hauses geworden sind. Und auf den Mut, aus einer ehemaligen Lagerhalle etwas zu machen, das sich über drei Jahrzehnte immer wieder neu erfunden hat.
Für Albert und Christiane Bauer ist das Jubiläum deshalb auch ein Moment, um zurückzublicken. Nicht alles war einfach. Nicht jede Entscheidung war selbstverständlich. Aber der Weg hat sich gelohnt. Ein Mensch wird bei den Feierlichkeiten allerdings fehlen: Hans Bauer, Alberts Bruder, der vor vier Jahren verstorben ist. Mehr als 20 Jahre lang gehörte er zum Hemingway und war aus dem Alltag des Hauses kaum wegzudenken. Für ihn war das Lokal, wie er selbst gerne sagte, sein „zweites Wohnzimmer“.
Wo Menschen ihre Geschichten schreiben
Vielleicht ist das die schönste Verbindung zwischen dem Hemingway und seinem Namensgeber Ernest Hemingway: Hier ging es nie ausschließlich ums Essen und Trinken. Über die Jahre wurden im Lokal unzählige Geburtstage gefeiert, Taufen begangen, Hochzeiten ausgerichtet und Firmenfeiern veranstaltet. Menschen kamen zusammen, lernten sich kennen und schlossen Freundschaften. Manche Begegnung ging sogar deutlich über einen gemeinsamen Abend hinaus. Nicht wenige Paare haben sich im Hemingway kennengelernt. Das Haus war damit über 30 Jahre hinweg immer auch ein Stück Bühne für das Leben seiner Gäste.
Heute führt die zweite Generation diese Geschichte weiter. Mit neuen Ideen, aber mit derselben Grundhaltung, die Albert Bauer bereits vor Jahrzehnten hatte: Wer in der Gastronomie bestehen will, darf nicht stehen bleiben. Aus der ehemaligen Holzhalle ist längst ein fester Bestandteil der Weidener Gastronomie geworden. Und aus dem einstigen Wagnis ein Familienunternehmen, das nach 30 Jahren nicht zurückblickt, um stehenzubleiben, sondern nach vorn schaut.
Festwoche als großes Dankeschön
Die Festwoche zum Jubiläum soll deshalb hauptsächlich eines sein: ein großes Dankeschön. An die Mitarbeiter, die Gäste, Freunde und Wegbegleiter – und an all jene Menschen, die das Hemingway über drei Jahrzehnte hinweg besucht, unterstützt und mit ihren eigenen Geschichten geprägt haben. 30 Jahre Hemingway sind damit vor allem 30 Jahre Begegnungen. Eine Geschichte von Menschen für Menschen. Und sie ist noch lange nicht zu Ende.
Festwoche zum Jubiläum
Der 30. Geburtstag des Hemingway wird mit einer großen Festwoche vom 8. bis 13. September natürlich entsprechend gefeiert:
- 8. September: „Anno Dazumal“
- 9. September: Bowling-Day“
- 10. September: „Ladies-Day“
- 11. September: „Karaoke 90er-Style“
- 12. September: Italienischer Abend
- 13. September: Kindertag
- Dazu ab Mittag: Spanferkel vom Grill
Weitere Informationen unter https://www.musikcafe-hemingway.de und auf Facebook und Instagram.









