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Ein Gefängnis für Marktredwitz und welche Chancen es für die Region bietet

Marktredwitz. Besser ein Gefängnis als gar nichts, mögen sich manche Marktredwitzer gefragt haben, als bekannt wurde, dass die Stadt als Teil der Heimatstrategie der Bayerischen Staatsregierung ein Gefängnis bekommt. 360 Häftlinge sollen dort ab 2028 untergebracht werden und dafür sollen knapp 200 Arbeitsplätze entstehen. Eigentlich hätte das Projekt schon 2022 fertig sein sollen.

Ein Gefängnis für Marktredwitz und welche Chancen es für die Region bietet

Wie riesige Kraken überragen sieben große Kräne die Baustelle im Marktredwitzer Ortsteil Lorenzreuth. Nicht zu übersehen ist die bereits errichtete Anstaltsmauer, die die Dimensionen des künftigen Gefängnisses eindrucksvoll sichtbar macht. Die Anlage wird auf einem circa 85.000 Quadratmeter großen Grundstück gebaut. Insgesamt entstehen zehn Gebäude mit einer Nutzfläche von circa 17.000 Quadratmetern. Vorgesehen sind unter anderem Verwaltungs- und Unterkunftsgebäude, eine Energiezentrale, eine Mutter-Kind-Abteilung sowie eine geriatrische Einrichtung für männliche Inhaftierte. Die ersten Unterbringungen sind für 2028 geplant.

Sechs Meter hohe und 1000 Meter lange Mauer

Beim Besuch der Großbaustelle sieht man von außen zunächst nur die 1000 Meter lange und sechs Meter hohe Mauer, die das Grundstück komplett umschließt. Im Innenbereich überragen nur die Kräne die mächtige Betonumrandung. Die Arbeiten gestalteten sich von Beginn an als außerordentlich kompliziert. Besonders das massive Granitgestein im Untergrund erforderte spezielles Know-how und leistungsfähige Technik. Teilweise mussten gewaltige Felsblöcke zerkleinert werden – eine echte Herausforderung für Mensch und Maschine. Zum Einsatz kamen dabei unter anderem 30 Tonnen schwere Bagger und leistungsfähige Granitbohrgeräte.

Für den Bau werden unter anderem circa 30 500 Kubikmeter Beton, 3 900 Tonnen Bewehrungsstahl und 19 500 Quadratmeter Perimeterdämmung verarbeitet. Circa 100 Arbeiter sind seit Mitte 2025 auf der Baustelle im Einsatz. Abgeschirmt und von außen nicht zu sehen hinter der Betonmauer. Der Rohbau der Gebäude soll bis Ende des Jahres fertiggestellt sein. Vorgesehen sind unter anderem Verwaltungs- und Unterkunftsgebäude, eine Energiezentrale und ein separates Gebäude mit einer Mutter-Kind-Abteilung. Die mehrstöckigen Gebäude werden künftig mit Wärmepumpen und Pelletheizungen beheizt. Außerdem werden circa 65 Prozent der Dachflächen mit Photovoltaik ausgestattet, die den Strom direkt vor Ort erzeugen soll. Geplant sind rund 960 Kilowatt Peak, also circa 50 bis 100 Mal so viel wie auf einem Einfamilienhaus.

Das Gelände vor Beginn der eigenrtlichen Bauarbeiten. Nur die sechs Meter hohe Betonmauer stand schon. Foto: Staatliches Bauamt Bayreuth
…. und so soll die JVA Marktredwitz nach Fertigstellung im Jahr 2028 aussehen. Grafik: karlundp Gesellschaft von Architekten mbH
30 Tonnen schwere Bagger waren nötig, um den Granit zu zerkleinern. Foto: Staatliches Bauamt Bayreuth
Wie riesige Kraken ragen die Kräne auf der JVA-Baustelle in den Hummel. Foto: Staatliches Bauamt Bayreuth
Hier wird die Dimension der Mauer um das Gelände in Lorenzreuth deutlich. Foto: Staatliches Bauamt Bayreuth

Eine Million Euro je Haftplatz

Interessant ist die Entwicklung der Baukosten: Ging man 2015 von circa 73 Millionen Euro aus, ist diese Berechnung inzwischen längst Makulatur. Aktuell geht man von 370 Millionen Euro aus, befürchtet wird aber eine weitere Steigerung. Fachleute sehen die 400-Millionen-Euro-Marke im Bereich des Möglichen. Das wären bei 360 Insassen gut eine Million Euro je Haftplatz. Eine stolze Summe. Die Gefangenen sollen vorwiegend aus dem nordbayerischen Raum kommen. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der JVA Marktredwitz: Neben der Mutter-Kind-Abteilung wird eine geriatrische Abteilung für Männer eingerichtet, die zu gebrechlich sind für eine Haft in normalen Zellen.

Nach der Entscheidung der Staatsregierung für Marktredwitz als Gefängnisstandort im Zuge der Behördenverlagerung im Jahr 2015 sprach der Marktredwitzer Oberbürgermeister Oliver Weigel von einem großen Tag für die Stadt und die Region. Die neuen Behörden würden einen gewaltigen positiven Schub auslösen, meinte Weigel damals, und sah durch die JVA zahlreiche positive Effekte: „Das fängt beim Bäcker, der die Semmeln liefert, an und hört mit den örtlichen Handwerkern, die sicherlich viel zu tun bekommen, nicht auf.“ Auch dass wahrscheinlich ein Großteil der geplanten 186 Beschäftigten im mittleren Dienst eingestellt werden, hält der OB für förderlich. „Ich glaube, wir bekommen hier einen guten Stellenmix: Es wird akademische Arbeitsplätze geben und solche, für die kein Studium nötig ist.“

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