Randlage mit Anspruch (1): Was bringt die Metropolregion dem Wirtschaftsraum Amberg-Sulzbach?
Randlage mit Anspruch (1): Was bringt die Metropolregion dem Wirtschaftsraum Amberg-Sulzbach?
Gut 50 Besucherinnen und Besucher folgen der Einladung des Arbeitskreises Wirtschaft der CSU Sulzbach-Rosenberg ins Capitol. Organisiert hat den Wirtschaftsabend Karl Reyzl, seit zwölf Jahren Stadtrat und engagiert im Arbeitskreis „Wirtschaft und Arbeit“. Sein Motiv bringt er gleich zu Beginn auf den Punkt:
„Wenn in der Kommune kein Geld da ist, fehlt es an allem – an Kultur, an Infrastruktur. Nur mit einem lebendigen Mittelstand können wir das aufrechterhalten.“
Randkommunen müssen Vorteile einfordern
Seit 2005 vernetzen sich in der Europäischen Metropolregion Nürnberg 23 Landkreise aus Franken und der Oberpfalz. Sulzbach-Rosenberg ist Gründungsmitglied, der Bürgermeister im Präsidium vertreten, die Stadt in Facharbeitskreisen präsent. Und doch, so Reyzl, reiche formale Mitgliedschaft nicht aus. „Eine Randkommune wie unsere muss aktiv nachfragen und einfordern: Wie können wir konkret profitieren?“
Die Ausgangslage ist bekannt – und unbequem. Stabilisierungshilfen sind notwendig, die finanziellen Spielräume eng. Gewerbesteuer und der kommunale Anteil an der Lohnsteuer sichern Pflichtaufgaben wie Schulen, Infrastruktur und Brandschutz. Gleichzeitig stehen Leerstände im Raum, Kaufkraft fehlt, Ansiedlungen sind schwer.
Reyzl verweist dennoch auf Chancen: Kontakte zu Absolventinnen und Absolventen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Unternehmerstammtische, Informationen über Leuchtturmprojekte wie die induktive Teststrecke auf der A6. Die Metropolregion, so seine These, könne Türen öffnen – wenn man sie nutze.
Fünfteilige Serie
Wie genau und in welchen Kontexten Amberg-Sulzbachkonkreten Nutzen aus der Europäischen Metropolregion Nürnberg ziehen kann, lässt sich nicht in einem einzigen Artikel sinnvoll beantworten. Deshalb haben wir uns entschieden, die Podiumsdiskussion in einer fünfteiligen Serie aufzubereiten – gegliedert entlang der thematischen Blöcke des Abends.
Jeder Teil widmet sich einem Schwerpunkt:
- den kommunalen Handlungsspielräumen unter Haushaltsdruck,
- der Rolle von Forschung und Technologietransfer,
- den Herausforderungen der Energie- und Klimatransformation,
- Fragen von Mobilität, Erreichbarkeit und Fachkräftegewinnung
- sowie dem Umgang mit globalen Krisen und neuen sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen.
Ziel ist es, die Positionen der Podiumsteilnehmer nachvollziehbar einzuordnen und sichtbar zu machen, an welchen Stellen die Metropolregion für eine Stadt wie Sulzbach-Rosenberg bereits Wirkung entfaltet – und wo Erwartungen, Zuständigkeiten und nächste Schritte noch offen sind.
Podium:
- Stefan Frank, Erster Bürgermeister Sulzbach-Rosenberg
- Prof. Dr. Matthias Franke, Fraunhofer-Institutsteil UMSICHT
- Jörg Bruckner, IHK Amberg-Sulzbach
- Karlheinz Brandelik, Wirtschaftsförderung Amberg
- Hans-Jürgen Strehl, Wirtschaftsförderung Stadt Sulzbach-Rosenberg
- Stefan Kopp, Geschäftsführer Probatec
Moderator Jürgen Herda rahmt den Abend mit einer klaren Leitfrage: Was hat die Metropolregion bisher konkret gebracht – was fehlt – und wer muss sich auf wen zubewegen?
Stellschrauben bei knapper Kasse
Knappe Kassen, steigende Erwartungen: Sulzbach-Rosenberg steht exemplarisch für viele Kommunen in Bayern. Im zweiten Teil der Serie geht es um die Frage, wie viel aktive Wirtschaftspolitik unter diesen Bedingungen realistisch ist – und welche Stellschrauben Bürgermeister und Verwaltung tatsächlich in der Hand haben.
Bürgermeister Stefan Frank beschreibt die kommunale Realität nüchtern. Prioritäten setzen sei kein strategisches Planspiel, sondern tägliche Notwendigkeit. „Jedes Netzwerktreffen ist wichtig“, sagt er, „wo kann man Kosten sparen oder Neues an Land ziehen?“
Tempo bei Genehmigungen, verlässliche Ansprechpartner, pragmatische Lösungen – das seien die Hebel, die eine Stadt auch ohne große Budgets bewegen könne.
Weiche Faktoren als harte Währung
Für Standortentscheidungen zählt aus Franks Sicht das Gesamtpaket: Infrastruktur, Geschwindigkeit, Fachkräfte, Lebensqualität. Gerade in Zeiten knapper Mittel gelte es, Prozesse schlank zu halten. Die Untere Bauaufsicht arbeite zügig bei Neu- und Umbauten, betont Frank. Sein Wunsch: Energie möglichst dort erzeugen, wo sie auch genutzt wird.
Hans-Jürgen Strehl ergänzt aus Verwaltungssicht. Die Stadt biete ein Gesamtpaket für Bestandsbetriebe und Neuansiedlungen. Flächen seien vorhanden, aber begrenzt. Am häufigsten klemme es bei der Koordination: Förderlogiken, Netzanschlüsse, Genehmigungsabfolgen – hier entscheide sich, ob Investitionen Fahrt aufnehmen oder versanden.
Glasfaser, Geduld und Realität
Beim Glasfaserausbau zeigt sich das Dilemma kommunaler Steuerung. Der geförderte Ausbau laufe gut, vor allem in den äußeren Stadtteilen. Der privatwirtschaftliche Ausbau hingegen verlange Geduld – und Überzeugungsarbeit. Planungssicherheit für Unternehmen bleibe dennoch ein zentrales Ziel.
Ausblick Teil 2: Doch was passiert, wenn aus Forschung konkrete Wertschöpfung entsteht? Im nächsten Teil zeigt ein Beispiel aus der Region, wie Transformation funktionieren kann – und wo sie an Grenzen stößt.




















