Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
Bayernwerk
Bayernwerk

Bluttat auf Jugendfreizeit: 21-Jähriger wegen versuchten Mordes vor Gericht

Weiden/Pressath. Der Schwurgerichtssaal ist am Donnerstag in niederbayerischer Hand. Zahlreiche Angehörige und Bekannte sind zum Prozess gegen einen 21-jährigen Kfz-Mechatroniker angereist. Er soll bei einer Freizeit seiner Kolpingjugend in Pressath seine Freundin (22) und einen Kumpel (17) mit dem Messer angegriffen haben.

Weiden/Pressath. Der Schwurgerichtssaal ist am Donnerstag in niederbayerischer Hand. Zahlreiche Angehörige und Bekannte sind zum Prozess gegen einen 21-jährigen Kfz-Mechatroniker angereist. Er soll bei einer Freizeit seiner Kolpingjugend in Pressath seine Freundin (22) und einen Kumpel (17) mit dem Messer angegriffen haben.
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Rouven Colbatz. Foto: Christine Ascherl

Bluttat auf Jugendfreizeit: 21-Jähriger wegen versuchten Mordes vor Gericht

Oberstaatsanwalt Peter Frischholz wertet den Angriff auf die Freundin als versuchten Mord. Mordmerkmal: niedere Beweggründe. „Wut, Zorn und Eifersucht.“ Der Messerstich ins Herz des 17-Jährigen ist als versuchter Totschlag angeklagt. Der Azubi wurde beinahe getötet (Reanimation, Hubschrauber, Notoperation in Universitätsklinikum). „Die Klingenlänge von 8,5 Zentimetern drang vollständig in den Körper ein.“

Womöglich kommt es für den Angeklagten noch dicker: Vorsitzender Richter Markus Fillinger informiert nach einem Rechtsgespräch, dass aus Sicht des Gerichts zweifacher versuchter Mord in Betracht kommt. Der Angeklagte sagt am ersten Prozesstag nichts. Verteidiger Rouven Colbatz kündigt für den nächsten Verhandlungstag, 29. April, eine Aussage an (Beginn 9 Uhr).

Turbulente Nacht im Jugendgästehaus

Der Staatsanwalt rekonstruiert die Tage im Juni 2025. An einem Donnerstag reist die Jugendgruppe aus Niederbayern im Franz-Ettenreich-Haus in Altendorf bei Pressath an. Der 21-Jährige ist einer der Organisatoren. Seine Freundin (22) ist die einzige Frau unter 19 Teilnehmern. Das Paar ist erst kürzlich zusammengezogen. Es ist bekannt, dass er unter Alkohol aggressiv und ausfallend wird, gerade seiner Partnerin gegenüber.

Am zweiten Abend entbrennt ein Streit zwischen dem jungen Paar. Er will Sex, sie nicht. Die Nacht verbringt sie in einem anderen Zimmer, torpediert von beleidigenden WhatsApps und Anrufen. Der 21-Jährige hält das ganze Haus wach: Er schlägt mit den Türen, taucht immer wieder in ihrem Zimmer auf, zieht ihr die Decke weg, beleidigt sie als „Nutte“. Die Kumpels greifen ein, stellen ihn zur Rede. Schließlich übernachtet die 22-Jährige im Schutz von fünf Freunden in einem Mehrbettzimmer.

Zur Tatzeit über zwei Promille

Den Samstag über geht man sich aus dem Weg. Die 22-Jährige ist Fahrerin einer Gruppe zum Zoiglbesuch am „Schafferhof“ in Neuhaus. Der Angeklagte fährt nicht mit. Beim Abendessen trifft man sich wieder. Er fuchtelt mit einem Einhandmesser herum. In Richtung der Frau macht er Halsabschneide-Gesten. Am Abend gibt es Ärger auf dem Parkplatz: Die Freunde parken sein Auto ein, um eine Alkoholfahrt zu unterbinden. Daraufhin fährt er mehrere Pkw an.

Gegen 22 Uhr kommt es vor dem Franz-Ettenreich-Haus zum Showdown. Ein 17-Jähriger stellt den Angeklagten zur Rede, was das alles solle. Es folgen die Messerstiche, die das Leben aller Beteiligten gravierend ändern. Mit „aller Kraft“, so der Staatsanwalt, versenkt der Angeklagte die Klinge im Herz des Azubis. Dann wendet er sich der Freundin zu und packt sie an der Jacke. Zu ihrem Glück trägt diese eine viel zu große Weste (ihre Kleidung hat der Angeklagte zuvor mit Bier oder Urin nass gemacht) und kann sich herauswinden. Sie wird am Ellbogen verletzt.

WITRON – Nachmittag der Ausbildung
WITRON – Nachmittag der Ausbildung

Der Staatsanwalt geht beim Angeklagten zur Tatzeit von 2,13 Promille aus und daher von verminderter Steuerungsfähigkeit. Sie hatte 0,0 Promille.

Freundin schildert Beziehung: Brauchtum und viel Alkohol

Die verletzte Freundin sagt am ersten Prozesstag aus. Die Bürokraft (inzwischen 23) schildert eine destruktive Beziehung. Die beiden kannten sich von der Kolpingjugend, waren seit einem Jahr ein Paar. Bei Brauchtumsveranstaltungen in Niederbayern wird offenbar viel getrunken. „Am Anfang hat’s schon basst. Aber wenn ma bsuffa waren, haben wir oft g’stritten.“

Zuletzt eskalierte die Lage acht Wochen vor der Tat beim „Oakarran“ am Ostersonntag. „Der Herr Verteidiger ist aus Württemberg, das müssen Sie erklären“, sagt Richter Fillinger. Die junge Frau beschreibt den Brauch des Rote-Eier-Sammelns. Der Angeklagte habe sich „unbedingt schlägern“ wollen. Als sie ihn einbremste, traf er sie in den Bauch.

„Ganz Kolping“ könne bestätigen, dass man viel stritt, wenn Alkohol im Spiel war.“Die Gründe waren oft banal.“ Bei einem heftigen Streit auf einem Volksfest zog sie sich selbst eine Flasche über den Kopf. Sie wurde ohnmächtig und blutete am Kopf. Alkohol war praktisch immer im Spiel. „Wenig getrunken hat er nie.“ Am Abend der Tat war er „scho g’scheit bsuffa, aber nicht ganz krass“.

Kolpingjugend verschanzt sich in Küche

Sie schildert die Messerstiche. Nachdem der Angeklagte beim 17-Jährigen zugestochen hatte, habe er sich ihr zugewandt. „Ich habe das Laufen angefangen.“ Als er sie an der Jacke packte, wandte sie sich aus den Ärmeln. Sie floh ins Haus. Die Kolpinggruppe verschanzte sich in der Küche und hielt die Tür zu, bis die Polizei eintraf.

Der Angeklagte nutzt die Gelegenheit für eine Entschuldigung: „Mir tut das wirklich aus tiefstem Herzen leid, dass ich dir psychischen und körperlichen Schaden zugefügt habe.“ Es sei ihm auch bewusst, dass in der Beziehung „nicht alles gut gelaufen ist“: „Ich wünschte, das Wochenende wäre anders verlaufen.“

Die Strafkammer mit den Richtern Florian Bauer, Markus Fillinger und Carolin Ammon. Foto. Christine Ascherl
Der Angeklagte mit Verteidiger Rouven Colbatz. Foto: Christine Ascherl
Der Sachverständige Psychiater Dr. Johannes Schwerdtner. Foto: Christine Ascherl
Oberstaatsanwalt Peter Frischholz. Foto: Christine Ascherl
Prozess wegen versuchten Mordes: Wie ein Kolping-Wochenende in Pressath eskalierte

Prozess wegen versuchten Mordes: Wie ein Kolping-Wochenende in Pressath eskalierte

Weiden/Pressath. Im Juni 2025 eskalierte bei einer Jugendfreizeit im Franz-Ettenreich-Haus bei Pressath ein Eifersuchtsdrama unter jungen Leuten. Jetzt muss sich ein 21-Jähriger aus Niederbayern wegen versuchten Mordes und versuchten Totschlags vor dem Landgericht Weiden verantworten.