Nach Waldbrandeinsatz auf die Festzeltbühne: Dorfrocker verteidigen Feuerwehr gegen Netz-Kritik

Nach Waldbrandeinsatz auf die Festzeltbühne: Dorfrocker verteidigen Feuerwehr gegen Netz-Kritik
Waldbrand fordert Einsatzkräfte
Am Abend des 27. Juni wurde im Festzelt von Iffelsdorf eigentlich das 150-jährige Bestehen der örtlichen Feuerwehr gefeiert. Die Dorfrocker standen auf der Bühne, die Besucher sangen und tanzten. Für zahlreiche Feuerwehrleute aus der Umgebung hatte der Tag allerdings wenig mit Feiern zu tun.
Am Nachmittag war bei Pfreimd im Landkreis Schwandorf ein Waldbrand ausgebrochen. Rund 8.000 Quadratmeter Wald standen in steiler Hanglage in Flammen. Etwa 240 Einsatzkräfte kämpften gegen das Feuer. Ein Polizeihubschrauber unterstützte die Löscharbeiten aus der Luft. Das unwegsame Gelände und die große Hitze machten den Einsatz besonders kräftezehrend.
Spontaner Applaus im Festzelt
Als Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Pfreimd später nach Iffelsdorf zurückkehrten, spielten die Dorfrocker gerade ihr Lied „Feuerwehren“. Die Musiker holten die Einsatzkräfte auf die Bühne. Das Festzelt erhob sich, applaudierte und feierte die Helfer für ihren Einsatz.
Auf den Aufnahmen sind Männer und Frauen in Einsatzkleidung zu sehen. Einige halten Getränkekrüge in den Händen. Für die Menschen im Zelt war es ein spontaner Moment des Dankes. Im Internet wurde daraus wenig später eine Grundsatzdebatte.
Kritik im Netz und Fragen zur Hygiene
Das von der Band veröffentlichte Video sammelte innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Reaktionen. Die große Mehrheit würdigte den Einsatz der Feuerwehrleute. Andere Nutzer kritisierten dagegen, dass die Bilder das alte Klischee vom „Saufverein Feuerwehr“ bedienen könnten. Auch Fragen zur Einsatzhygiene wurden gestellt. Die Schutzkleidung könne nach einem Brandeinsatz mit gesundheitsschädlichen Stoffen belastet sein und sollte deshalb nicht unnötig in andere Bereiche getragen werden, argumentierten Kritiker.
Dorfrocker verteidigen Feuerwehr
Die Dorfrocker wollten diese Vorwürfe nicht unkommentiert lassen. Bandmitglied Markus Thomann verwies darauf, was die ehrenamtlichen Kräfte zuvor geleistet hatten. Sie seien bei extremer Hitze im Einsatz gewesen und hätten an diesem Tag körperliche Höchstleistungen erbracht.
Nach einem solchen Einsatz gemeinsam in ein Festzelt zurückzukehren und kurz durchzuatmen, sei menschlich und nachvollziehbar. In diesem Moment habe niemand eine Kleiderordnung demonstrieren oder den Alkoholkonsum verherrlichen wollen. Die Menschen im Zelt hätten vielmehr jene gefeiert, die wenige Stunden zuvor ihre Freizeit geopfert hatten, um einen Waldbrand zu bekämpfen.
Zu den Getränken stellte Thomann klar, dass von außen nicht zu erkennen sei, was sich tatsächlich in den Krügen befunden habe. Nach einem langen Einsatz bei großer Hitze hätten viele Kräfte vor allem Flüssigkeit gebraucht. Neben Wasser könne deshalb ebenso alkoholfreies Bier ausgeschenkt worden sein.
Auch in einem weiteren Videostatement stellte sich die Band hinter die Feuerwehrleute. Im Mittelpunkt des Applauses hätten weder die Bierkrüge noch die Einsatzhosen gestanden, sondern die Menschen, die während des Festbetriebs zu einem Einsatz ausgerückt waren.
„Lasst die Kirche im Dorf“
Für Thomann fehlt der Diskussion vor allem die Verhältnismäßigkeit. Während ehrenamtliche Feuerwehrkräfte ihre Freizeit opferten und im Ernstfall Hab und Gut anderer Menschen schützten, würden einzelne Beobachter vom heimischen Sofa aus nach Fehlern suchen.
„Ihr müsst mal die Kirche im Dorf lassen“, lautet seine deutliche Botschaft an die Kritiker. Sachliche Hinweise zur Einsatzhygiene seien das eine. Einen kurzen Moment des gemeinsamen Durchatmens zum Anlass zu nehmen, pauschal über die Feuerwehr und ihren Umgang mit Alkohol zu urteilen, sei jedoch etwas anderes.
Gerade in kleineren Orten gehören die Freiwilligen Feuerwehren zu den tragenden Säulen des gesellschaftlichen Lebens. Sie rücken nachts zu Verkehrsunfällen aus, pumpen nach Unwettern Keller leer, löschen Brände und sichern Veranstaltungen. Gleichzeitig organisieren sie Feste, betreiben Nachwuchsarbeit und halten Dorfgemeinschaften zusammen.
Thomann bezeichnet die Feuerwehr deshalb als eine der „letzten Bastionen der Dörfer“. Wer das Ehrenamt dauerhaft unter Generalverdacht stelle und hinter jedem unvollkommenen Bild einen Skandal suche, riskiere, engagierte Menschen zu verlieren.
Ein kurzer Moment wird zur großen Debatte
Das Video aus Iffelsdorf zeigt, wie schnell einzelne Bilder in sozialen Netzwerken ihre ursprüngliche Bedeutung verlieren können. Vor Ort sahen die Menschen erschöpfte Einsatzkräfte, die nach einem Waldbrand mit Applaus empfangen wurden. Im Netz sahen manche Nutzer vor allem Bierkrüge und Schutzkleidung.
Die Diskussion über konsequente Einsatzhygiene ist berechtigt und für die Gesundheit von Feuerwehrleuten wichtig. Sie lässt sich jedoch führen, ohne den Einsatz der Ehrenamtlichen abzuwerten oder ihnen pauschal verantwortungsloses Verhalten vorzuwerfen.
Was im Festzelt von Iffelsdorf blieb, war vor allem ein Augenblick der Dankbarkeit: Eine Gemeinschaft erhob sich für jene, die ihr Fest verlassen hatten, als anderswo Hilfe gebraucht wurde.




