Freie Wähler dominieren die Stichwahlen im Landkreis Tirschenreuth
Freie Wähler dominieren die Stichwahlen im Landkreis Tirschenreuth
Vor zwei Wochen hatte Hubert Schicker im Landratsamt gegenüber OberpfalzEcho über sein „super Ergebnis“ gejubelt, als er aus dem ersten Wahlgang mit 30,6 Prozent hervorgegangen war. Klar vor ihm lag am 8. März Roland Grillmeier (CSU) mit 42,2 Prozent. Knapp 5000 Stimmen Vorsprung trennten den Herausforderer vom Amtsinhaber. Ein nicht aufzuholender Rückstand für den Freien Wähler? Weit gefehlt. Schon 2008 gewann Wolfgang Lippert die Stichwahl gegen den CSU-Kontrahenten Herbert Hahn, der im ersten Wahlgang 48,7 Prozent erreicht hatte. Der Freie Wähler steigerte sich im zweiten Anlauf um fast 20 Punkte von 32,3 auf 52,1 Prozent der Stimmen.
Thema Krankenhaus ausschlaggebend?
Wie schon vor 28 Jahren brachte die Stichwahl die – von vielen unerwartete – Wende. Für Schicker votieren 18.143 Wähler/innen und damit gut 5000 mehr als vor zwei Wochen. Dagegen verbuchte Grillmeier gut 600 Stimmen weniger (17.938 auf 17.313). Man darf annehmen, dass es der CSU nicht gelungen ist, ihre Wähler zu motivieren, ein zweites Mal an die Wahlurnen zu gehen, beziehungsweise per Brief zu wählen. Ausschlaggebend dürfte die Krankenhausthematik gewesen sein, die viele Wählerinnen und Wähler scheinbar – fälschlicherweise – dem amtierenden Landrat angelastet haben. Die Entscheidung, das Krankenhaus Waldsassen zu schließen und das Krankenhaus Tirschenreuth zu „amputieren“, haben andere getroffen und sie ist nicht auf Grillmeiers „Mist gewachsen“.
Hubert Schicker nutzte das Gesundheitsthema und seine Aussagen dazu geschickt, um sich gegenüber dem Amtsinhaber zu profilieren. Inwieweit der Freie Wähler seine Versprechen in der Realität umzusetzen vermag, bleibt dahingestellt. Der Pechtnersreuther hatte im Wahlkampf für ein MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) in Tirschenreuth und eine Notfallversorgung rund um die Uhr geworben. Er werde ein Landrat für alle sein, und er sei überzeugt, dass der Landkreis „einen großen Schritt in Richtung Demokratie“ gegangen sei. „Ein unabhängiger Landrat der Freien Wähler für alle, statt CSU-Parteipolitik“, sagte er am Stichwahlabend gegenüber OberpfalzEcho.
Überraschung in Tirschenreuth, klare Sache in Erbendorf
Auch in der Kreisstadt Tirschenreuth gibt es einen Wechsel auf dem Bürgermeisterstuhl von CSU zu den Freien Wählern. Hier setzte sich auch recht überraschend der Bezirkskaminkehrermeister und politische Quereinsteiger Hans-Peter Schärl mit 54 Prozent gegen den Christsozialen Harald Siegert (46 Prozent) durch. Franz Stahl (CSU) war nach 24 Jahren nicht mehr angetreten.
Über einen souveränen Erfolg freute sich in Erbendorf mit Bernhard Schmid ein weiterer Freier Wähler. Er distanzierte seinen Mitbewerber Matthias Fütterer von der CSU mit 67,7:32,3 Prozent. 1900 Wahlberechtigte votierten für Schmid, nur 905 für Fütterer. Schmid folgt auf Johannes Reger (CSU), der nicht mehr kandidiert hatte.
Den einzigen Stichwahlerfolg für die CSU im Landkreis holte in Plößberg Tina Zeitler. Sie obsiegte mit 55,5 Prozent über Markus Preisinger („Jetzt bereit für eigene und neue Wege“), der auf 44,5 Prozent kam. Damit bekommt die Marktgemeinde erstmals überhaupt eine Frau auf dem Bürgermeisterstuhl.






