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OTH Amberg-Weiden
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Testamentsfälscher-Prozess: Freunde widerrufen ihre Aussagen

Weiden. Schon überraschend: Der Prozess gegen einen mutmaßlichen Testamentsfälscher läuft nach der Aussetzung ein zweites Mal. Doch die Zeugen sagen nicht das Gleiche aus. Vor allem seine Freunde ziehen reihenweise ihre Aussagen zurück.

Weiden. Schon überraschend: Der Prozess gegen einen mutmaßlichen Testamentsfälscher läuft nach der Aussetzung ein zweites Mal. Doch die Zeugen sagen nicht das Gleiche aus. Vor allem seine Freunde ziehen reihenweise ihre Aussagen zurück.
Am Landgericht Weiden läuft ein Prozess gegen einen 51-jährigen mutmaßlichen Testament-Fälscher. Foto: Christine Ascherl

Testamentsfälscher-Prozess: Freunde widerrufen ihre Aussagen

Sie hatten den Landschaftsarchitekten im ersten Prozess vor dem Landgericht Weiden entlastet. Ein Wasserbüffel-Züchter aus dem Rheinland sagte beispielsweise aus, die Lebensgefährtin habe mit ihm bei einem Besuch auf dem Hof über das Testament gesprochen. Das stimmt so nicht, sagt er jetzt. Er habe das aus Gefälligkeit für den Angeklagten behauptet. Inzwischen hat der Freund einen Anwalt. Schon bei der Rückfahrt nach seiner ersten Zeugenaussage habe er ein schlechtes Gewissen bekommen.

Auch eine frühere Kollegin des Angeklagten rudert am Montag zurück. „Unter Eid“ würde sie jetzt nicht mehr behaupten, mit der Verstorbenen über das Testament gesprochen zu haben. Sie hatte sich im Nachlassverfahren noch schriftlich für den 61-Jährigen ins Zeug gelegt und in Briefen an das Amtsgericht Weiden dessen tiefe Verbindung zur vermögenden Verstorbenen bezeugt.

Die Landschaftsarchitektin kannte den Rheinländer von ihrem ersten Arbeitsplatz Anfang der 1990er-Jahre. Ein „ganz eigener“ Mensch, ihr aber sympathisch: So habe er oft unter dem Schreibtisch übernachtet, wenn ihn eine Arbeit packte.

Klinik-Psychiater war misstrauisch

Noch etwas wird am Montag viel deutlicher als im ersten Prozess: Das Amtsgericht Weiden war ganz nah dran an der Sache. Ein Psychiater des Bezirkskrankenhauses Wöllershof hatte im Sommer 2019 eine Berufsbetreuung der psychisch kranken Juristin angeregt. Sie war als Notfallpatientin bei ihm eingeliefert worden. Ihr Zustand war desolat: Sie war körperlich verwahrlost und litt unter einer schweren Depression. Zuvor war in der Frankenalb-Klinik Engelthal eine Benzodiazepinabhängigkeit behandelt worden; die Medikamente waren dort ausgeschlichen worden.

Sie habe mehrfach gesagt, Angst vor ihrem Lebenspartner zu haben, der inzwischen ihr Leben regelte. Sie habe keinen Überblick mehr über ihre Finanzen und kenne nicht einmal mehr ihre Kontonummer.

Gleichzeitig trat der jetzt angeklagte Lebensgefährte dominant in der Klinik in Wöllershof auf. Schließlich verließ die Patientin mit ihm die Klinik. Das Krankenhaus verständigte die Polizei. Eine Streife fuhr zum Haus der Patientin in Parkstein. Dort klebte ein Zettel: Es gehe ihr gut, sie sei in Begleitung ihres Partners auf dem Weg in eine andere Klinik.

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Tauziehen um Betreuung

In der Folge setzte das Amtsgericht Weiden eine Berufsbetreuerin ein. Diese hatte Schwierigkeiten, überhaupt an die Patientin heranzukommen. Das Vermögen bezifferte die Berufsbetreuerin auf über drei Millionen Euro.

Parallel forderte der Angeklagte immer drängender, selbst die Betreuung zu übernehmen. Der damalige Amtsgerichtsdirektor Rainer Lehner berichtet im Zeugenstand vom Auftreten des 61-jährigen Rheinländers: „querulatorisch, unbelehrbar und besserwisserisch“.

Es kam zu Terminen mit dem Paar, bei denen auch sie erklärte, ihren Lebensgefährten als Bevollmächtigten zu wollen. Das Amtsgericht hatte erhebliche Bedenken. Auch ihr Hausarzt verweigerte die Bestätigung einer Vorsorgevollmacht. Schließlich begutachtete der damalige Landgerichtsarzt die Juristin. Er kam zu dem Ergebnis, dass eine Geschäftsunfähigkeit nicht nachgewiesen werden könne. Bei einer weiteren Anhörung erklärte sie ausdrücklich, an der Vorsorgevollmacht festhalten zu wollen.

In der dritten Januarwoche 2020 wurde die Betreuung aufgehoben. Am 11. Februar 2020 starb die 51-Jährige an einem tödlichen Medikamenten-Cocktail. Er hat ein Alibi.

Neu: Psychiater verfolgt Prozess

Der Prozess hatte im April schon einmal begonnen, wurde dann aber ausgesetzt, weil Zweifel an der psychischen Verfassung des Angeklagten aufgekommen waren. Jetzt sitzt während der Verhandlungen der Psychiater Dr. Thomas Lippert im Gerichtssaal, dessen Expertise am Ende des Prozesses erwartet wird. Nächster Verhandlungstermin ist am 7. September um 9 Uhr.

Vorsitzender Richter Markus Fillinger nimmt den Angeklagten zunehmend in die Mangel. Auch am Montag stolpert der Landschaftsarchitekt über seine eigenen „Wahrheiten“. Früher hatte er von einem wochenlangen Hungerstreik seiner Partnerin gesprochen. Vor Gericht schrumpfte dieser Zeitraum erheblich zusammen: Schließlich sprach der Angeklagte selbst nur noch von etwa 36 bis 48 Stunden.

Wildpferde und Luxusklinik?

Selbst jetzt vor Gericht schwadroniert der 61-Jährige noch von den Wildpferden und dem Wacholder, die er auf ihrem Waldgrundstück bei Parkstein ansiedeln wollte. Oder von jener „Luxusklinik“, in die er seine schwer kranke Partnerin bringen wollte. Auf hartnäckige Nachfrage des Gerichts stellte sich heraus: Eine solche Klinik gab es nicht. Letztlich brachte er die Partnerin im Elternhaus in Siegburg unter. Großes Haus, Natur, Katzen und bestes Essen – das sei gewissermaßen die „Luxusklinik“ gewesen, erklärte er.

Unmittelbar vor ihrem Tod hatte der Angeklagte die Parksteinerin nach Siegburg umgemeldet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Nur in Bayern gibt es eine Erbenermittlung von Amts wegen, wenn ein Grundstück zum Nachlass gehört. Das Nachlassgericht in Nordrhein-Westfalen hätte nur auf Antrag ermittelt; nahe Angehörige gibt es aber nicht.

Bereits am 14. Februar 2020, drei Tage nach ihrem Tod, gab er dort vor dem Amtsgericht eine eidesstattliche Versicherung im Zusammenhang mit dem Nachlass ab. Am 17. Februar legte er beim Amtsgericht Siegburg ein Testament vor, das ihn zum Alleinerben machen sollte. Das Amtsgericht Weiden holte sich das Nachlassverfahren zurück, weil der Wohnsitz de facto in Parkstein lag. Folge: die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Weiden.