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[Update] Champagner-Prozess: Aussage des Hauptzeugen könnte über Haft entscheiden

Weiden. Der heutige Freitag kann zum entscheidenden Tag im Champagner-Prozess werden. Seit Dezember muss sich der Niederländer Theo G. (46) wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Heute wird der Hauptbelastungszeuge aus Polen vernommen. Ist der Zeuge schwach, steht eine Haftentlassung im Raum.

Weiden. Der heutige Freitag kann zum entscheidenden Tag im Champagner-Prozess werden. Seit Dezember muss sich der Niederländer Theo G. (46) wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Heute wird der Hauptbelastungszeuge aus Polen vernommen. Ist der Zeuge schwach, steht eine Haftentlassung im Raum.
Videoschalte nach Polen (auf dem Bildschirm ist ein Mitarbeiter des polnischen Gerichts zu sehen). In der Bildmitte die Übersetzerin für Polnisch. Links der Angeklagte mit seinen Verteidigern Dr. Alexander Stevens und Philip Müller. Foto: Christine Ascherl

[Update] Champagner-Prozess: Aussage des Hauptzeugen könnte über Haft entscheiden

Offenbar rechnet auch die Familie des Angeklagten mit einer möglichen Wende: Zum Verhandlungstag am Freitag sind erstmals seit Prozessbeginn im Dezember wieder Angehörige aus den Niederlanden angereist. Theo G. begrüßt sie sichtlich erfreut.

Auf der Tagesordnung steht am Freitag nur ein Punkt: die Vernehmung des Hauptbelastungszeugen Jacek G. Dieser wird per Videoschalte aus seinem Heimatland Polen zugeschaltet. Er ist gut zu hören und gut zu sehen. Mutterseelenallein sitzt er in einer Bank des polnischen Gerichtssaals.

Von der Aussage des 37-Jährigen hängt maßgeblich ab, ob es zu einer Verurteilung von Theo G. kommt. Gleichzeitig könnte sie entscheidend für eine mögliche Haftentlassung sein. Die Verteidigung strebt an, diese noch während des laufenden Prozesses zu erreichen. Theo G. müsste dann zu den (wenigen) weiteren Verhandlungsterminen lediglich anreisen.

Kern der Aussage: Theo G. soll nach den Flaschen gesucht haben

Zum Hauptbelastungszeuge Jacek G.: Der Pole saß in dieser Sache 2024/25 selbst in Weiden in Untersuchungshaft. Er war entlassen worden, nachdem er Theo G. als Besitzer der Flaschen benannte. Die beiden kannten sich aus dem Lager „Multi Storage“ in Arnheim. Jacek G. war dort beschäftigt, Theo G. war dort Kunde. Aus diesem Lager waren 2019 die mit flüssigem MDMA gefüllten Moet-Flaschen gestohlen worden und irrtümlich in den Ausschank gelangt – mit tödlichen Folgen in Weiden im Februar 2022.

Kern der Aussage von Jacek G.: Er sagt aus, dass Theo G. gezielt nach diesen Flaschen gesucht habe. „Er hat mich gefragt, ob ich etwas gesehen habe, weil ich mich dort sehr oft aufhielt.“ Theo G. sei sehr sauer und verärgert gewesen. Er habe „viele Flaschen Champagner verloren“ und damit richtig viel Geld verloren. „Er hat mich einmal danach gefragt und dann nie wieder.“ Dass darin Drogen waren, will Jacek G. erst hinterher erfahren haben, als erst sein Bruder und dann er in Haft gingen.

Nur noch ein Zeuge

Der Prozess geht indessen auf die Zielgerade. Nach Jacek G. steht nur noch ein Zeuge aus: Lagerverwalter Frank B. aus Arnheim. Auch er soll per Video vernommen werden (Donnerstag, 5. März, 9 Uhr). Frank B. soll die präparierten Flaschen 2019 geklaut haben. Er verhökerte sie – in der Annahme, es sei Champagner – im Internet. Eine der 20 Doppel-Magnums gelangte nach Weiden und geriet in den Ausschank.

OTH Amberg-Weiden
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Nächste Woche wird am Donnerstag und Freitag, 5. und 6. März, verhandelt. Insgesamt werden fünf Plädoyers gehalten: von Staatsanwalt Christoph-Alexander May, den Verteidigern Alexander Stevens und Philip Müller sowie den Nebenklagevertreter Hans-Wolfgang Schnupfhagn und Oliver Mattes. Das Urteil fällt die 1. große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Peter Werner, den Beisitzern Florian Bauer und Vera Höcht sowie zwei Schöffenrichtern.

Live-Ticker: die Aussage des Hauptbelastungszeugen

[Update 9 Uhr] Der Zeuge ist im Amtsgericht in Polen erschienen und auf dem Videoscreen im Landgericht gut zu sehen und zu hören. Eine Dolmetscherin in Weiden übersetzt. Jacek G. (37) gibt seinen Beruf als Helfer auf Baustellen an. Er kenne den Angeklagten Theo G. aus Arnheim in den Niederlanden, wo er einige Jahre gearbeitet habe. 

Für Theo G. und seine Bekannten habe er auch kleinere Renovierungsarbeiten im Privathaushalt erledigt. „Es war eine kleine Stadt und ich wurde weiterempfohlen.“ Richter Werner will wissen, ob man befreundet war. Jacek G.: „Freundschaft ist ein starkes Wort. Wir haben uns einfach gekannt.“

Auch in puncto Drogen hatte man Kontakt: Der 37-Jährige sagt aus, dass er Theo G. auf dessen Marihuana-Plantagen geholfen habe. Es gab verschiedene Standorte in Arnheim. Betreiber sei der Niederländer gewesen. Er habe beispielsweise mit weiteren polnischen Bekannten die Pflanzen entstängelt.

[Update 9.20 Uhr] Dreh- und Angelpunkt des Falls ist das Lager „Multi-Storage“ in Arnheim. Hier soll der MDMA-Champagner gelagert worden sein. Jacek G. sagt, er kenne das Lager von seiner Gründung an. Auch er selbst habe in den Lagerboxen seine Werkzeuge und sein Gerüst gelagert.

Während des Ermittlungsverfahrens war auch sein Bruder festgenommen, aber wieder entlassen worden. Der Bruder hatte sich da schon jahrelang nicht mehr in den Niederlanden aufgehalten. Basis der Festnahme war ein Vertrag über die Anmietung von Lagerboxen, der gefälscht gewesen sei, so Jacek G. Die Verträge seien nicht korrekt.

Das Lager sei inzwischen geschlossen, nachdem dort Drogenproduktion festgestellt worden war. Lagerverwalter Patrick B. habe alle Mieter informiert, ihre Boxen zu räumen.

Die Karte zeigt das Stadtzentrum von Arnheim. Am Nordufer des Niderrjin hatte Theo G. seinen Wohnsitz, über der Brücke liegt der Lagerkomplex, wo die Weidener Champagner-Flasche ihren Ursprung haben soll. Grafik: umap

[Update 9.30 Uhr] Hat er selbst je Champagner-Flaschen in dem Lager gesehen? „Nein. Nie.“ Er habe erst von diesen Flaschen gehört, als diese „Theo gestohlen wurden“. Theo G. habe nach den Flaschen gesucht. „Er hat mich gefragt, ob ich etwas gesehen habe, weil ich mich dort sehr oft aufhielt.“

Theo G. sei sehr sauer und verärgert darüber gewesen. Er habe „viele Flaschen Champagner verloren“, die ihm aus der Garage gestohlen worden seien. Er habe damit richtig viel Geld verloren. Jacek G. sollte ihm Bescheid geben, wenn er etwas höre.

„Er hat mich einmal danach gefragt und dann nie wieder.“ Dass darin Drogen waren, will Jacek G. erst hinterher erfahren haben.

[Update 10.10 Uhr] Es geht um Details. Wie groß waren Theos Marihuana-Plantagen? Es gab mehrere. Wie war der Zugang zu den Lagerboxen im Multistorage geregelt? Per Code, der regelmäßig geändert wurde. Wie lange hält sich Jacek G. schon nicht mehr in den Niederlanden auf? Über drei Jahre. Gab es Kameras auf dem Lager-Gelände? Ja, aber die haben nicht funktioniert.

[Update 10.30 Uhr] Pikant: Es gibt ein abgehörtes Telefonat zwischen Jacek G. und Patrick B., darin bezeichnet sich Jacek G. selbst als Besitzer der Flaschen. Heute erklärt er das so: „Ich war betrunken.“ Er sei sauer gewesen, dass sein Bruder da hineingezogen wurde. Es gibt zudem WhatsApp-Nachrichten zwischen Jacek und Theo. Darin beklagt Jacek, dass dieser seinen Bruder in Schwierigkeiten gebracht habe.

Als in den Folgejahren die Polizei ein Drogenlabor in dem Lager aushob, machte Jacek G. ein Foto während der Polizeiaktion. Das Bild verschickte er per WhatsApp an den Lagerverwalter Patrick B. Das Foto erklärt Jacek G. so: Er sei am gegenüberliegenden Ufer zufällig Angeln gewesen. „Die Stadt ist klein. An dem Tag hat die ganze Stadt darüber gesprochen, dass die Polizei bei den Garagen war.“

Gleicher Ort, anderer Fall: Auf dem gleichen Gelände, aus dem die Weidener Flasche stammen soll, wurden 622 Kilogramm Crystal sichergestellt. Screenshot: gelderland.nl

[Update 10.45] Es geht um einen anderen Fall, in einem anderen Land: konkret um Kokain auf einem belgischen Schiff, auf dem sich auch Jacek G. aufgehalten hat. Antwort: „Der Herr Staatsanwalt kennt den Fall, er hat alle Daten.“ Das Verfahren sei inzwischen abgeschlossen, die Beteiligten „sind unschuldig“.

Kommen die Fußfesseln noch vor Prozessende ab? Der Angeklagte im Champagner-Prozess vor Gericht. Seit September 2024 befindet er sich in Untersuchungshaft. Es ist bekannt, dass seine Mutter in den Niederlanden schwer erkrankt ist. Kürzlich hat Theos Schwester per Brief an das Gericht appelliert, den Bruder auf freien Fuß zu setzen. Foto: Christine Ascherl
Die 1. große Strafkammer am Freitag, 27. Februar: Auf dem Bildschirm ist ein Raum in einem Amtsgericht in Polen zu sehen. Von hier aus sagt der Hauptbelastungszeuge Jacek G. aus. Foto: Christine Ascherl

Das wird Theo G. vorgeworfen

Theo G. (46) wird die Mitgliedschaft in einer in den Niederlanden agierenden Tätergruppierung vorgeworfen. Die Bande soll unter anderem das Betäubungsmittel MDMA (Wirkstoff von Ecstasy) in großen Mengen zum In- und Export produziert haben. Theo G. soll der „Logistiker“ der Gruppe gewesen sein. In dieser Funktion soll er mindestens 20 mit flüssigem MDMA gefüllte Champagnerflaschen übernommen haben. Er soll sie in einem Lager in Arnheim deponiert haben.

Dort soll es zu einem folgenschweren Versehen gekommen sein: Der Lagerverwalter Frank B. soll laut Anklage die Flaschen gestohlen und über Internet verhökert haben – im Glauben, es handle sich um echten Champagner. So geriet eine der Doppel-Magnum in den Landkreis Neustadt/WN und kam am 12. Februar 2022 in Weiden zum Ausschank.

Theo G. wird bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln, fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung in sieben Fällen vorgeworfen.

Der Prozess bisher:

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